Supersportreifen – Test im März 2020 in der Gegend um Valencia

www.mopedreifen.de hat wieder Reifen getestet und ich war auch dabei, um die neuen Supersport-Reifen auszuprobieren.


Mit Blick auf zu erwartende Temperaturen ging es mit 5 Triumph Speedtriple 1050 RS nach Spanien.

Dabei waren der Continental SportAttack 4

… der Metzeler Sportec M 9 RR

der Bridgestone Battlax S22

der Michelin Power GP

und der Michelin Power 5

Nachdem die Reifen vermessen und auf den Luftdruck von 2,5 bar vorne und
2,7 bar hinten eingestellt wurden, haben die fünf Triump SpeedTriple 1050 RS das gleichen Fahrwerks-Setup gekriegt.

Die nächsten drei Tage sind wir Landstraße gefahren mit einigen autobahnähnlichen Abschnitten und haben tapfer unsere Bewertungsbögen ausgefüllt.

Anschließend waren wir auf einer großen Kartbahn, als Rennstrecke eher ein Micky-Maus-Kurs aber ausreichend um Eigenschaften wie Einlenken, Aufstellen, Grip beim „Rausfeuern“ aus Kurven, Stabilität beim Bremsen bei den verschiedenen Reifen miteinander vergleichen zu können.

Nun aber mal zu den Reifen im Einzelnen:

Continental SportAttack 4

Der Conti SA4 ist ein ziemlich störrischer Reifen, das bessert sich auch nicht, wenn er auf Temperatur kommt. Entgegen der Werbung des Herstellers braucht er etwas. Dann ist er zunächst unhandlich, lenkt nur widerstrebend ein, rollt extrem straff ab und ist einfach unkomfortabel. Seine Kurvenlinie muss man sehr genau planen, wer in der Kurve an die Vorderradbremse kommt, muss mit schlagartigem und heftigem Aufstellen rechnen. Tut man das nicht, ist die Linie dahin und man erschrickt die ersten paar Male. Wird die Fahrt flotter (eine gewisse Gleichgültigkeit zum Erhalt des Führerscheins ist da schon nötig) beginnt der Conti allerdings besser zu funktionieren. Er muss mit Kraft von einer Schräglage in die andere bewegt werden, aber man gewöhnt sich recht schnell daran und kann dann auch präzise lenken. Wenn man auf der Bremse einlenkt, gibt es auch kein schlagartiges Aufstellen mehr, dafür vermittelt der CSA4 dann sehr viel Vertrauen in den Grip, so als ob er mit der Faust in den Asphalt packt. Nach einer wilden Fahrt hat man dann schon so ein bisschen das Gefühl „Ich habe Feuer gemacht!“

Steigt man dann auf ein Motorrad mit einem anderen Reifen um, ist der erste Gedanke allerdings: „Ach, so einfach kann das gehen?!“

Leider kam der Conti mit dem Standard-Setup nicht zurecht und begann in den Kurven „weit“ zu gehen und vermittelte kein sicheres Gefühl mehr. Auf dem Bild hatte das Hinterrad, mit einem Testtag weniger als die anderen Reifen, deutlich gelitten

Hinterrad Vorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang5,5 mm4,2 mm 4,1 mm3,5 mm
Ende4,6 mm3,8 mm3,9 mm3,2 mm
Verlust0.9 mm0,5 mm0,2 mm0,3 mm

Metzeler Sportec M 9 RR

Der M9 lässt sich spielerisch bewegen und folgt dem Befehl des Fahrers absolut exakt. Dabei genügen kleinste Bewegungen oder Impulse. Wenn mir eine Hummel gegen den Arm geflogen ist, war der Reifen schon am Abbiegen. Dabei lässt sich der Reifen auch bei extremeren Fahrmanövern und Richtungswechseln nicht aus der Ruhe bringen und macht einfach, was der Fahrer vorgibt. Für mich ist das immer eine Herausforderung, man muss ständig 100 % konzentriert sein. Die Eigendämpfung ist wirklich gut, mit dem vorgeschriebenen Luftdruck rollt er auch sehr komfortabel ab. Die Aufstellneigung ist gering, was mir aber nicht so gefällt, ist die im Vergleich mit den anderen Reifen geringe Bremsstabilität aus hohen Geschwindigkeiten. Bei 130 km/h den Anker werfen, quittiert das gesamte Motorrad mit beginnendem Schlingern, das Hinterrad läuft nicht mehr sauber nach. Möglicherweise könnte man mit Fahrwerkseinstellungen noch etwas rausholen, aber die Motorräder waren alle gleich eingestellt und die anderen Reifen haben das nicht gemacht.

Hinterrad
Vorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang5,5 mm3,5 mm4,0 mm3,0 mm
Ende4,3 mm3,0 mm3,6 mm2,8 mm
Verlust1,2 mm0,5 mm0,4 mm0,2 mm

Bridgestone Battlax S22

Da gibt es nicht viel zu berichten. Präzise beim Einlenken, stabil auf der Bremse, sehr handlich und trotzdem tolle Rückmeldung die großes Vertrauen vermittelt. Geringes Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage, lässt sich auf der Bremse aber immer noch gut lenken und korrigieren. Ein Klasse Reifen, der mir sehr gut gefallen hat. Auf dem Kringel hab ich mit diesem Reifen mit die schnellsten Runden bei den Supersportreifen gefahren.

Hinterrad Vorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang5,5 mm3,5 mm4,0 mm3,7 mm
Ende4,6 mm3,2 mm3,5 mm3,3 mm
Verlust0,9 mm0,3 mm0,5 mm0,4 mm

Michelin Power 5

Wer Wert auf Optik legt, hat bei diesem Kriterium mit dem Power 5 bestimmt viel Spaß. Das Golfballdesign auf den Außenkanten war zwar am Ende des Vergleichs Geschichte, sah davor aber schon toll aus. Der Reifen performt insgesamt auf hohem Niveau, also ganz egal wo und wie wir unterwegs waren, das mit dem Power 5 bereifte Motorrad blieb mit keinem Fahrer zurück, auch wenn wir es mal etwas laufen ließen. Auf dem Track wurde das Heck beim Angasen aus Schräglage etwas weicher als bei den anderen Reifen. Obwohl Michelin den nicht als Reifen für Rennstreckentrainings vorsieht, vom Profilbild sah er nach dem Track sehr gut, eigentlich fast unbeeindruckt aus. Insgesamt hat er in allen Kriterien immer fleißig Punkte gesammelt und sich nirgends Schwächen geleistet. Bei einer anderen Gelegenheit hatte ich schon die Möglichkeit, den Power 5 im Nassen zu fahren., da hat er eine deutliche Duftmarke gesetzt. Das wäre jetzt aber unfair den anderen Reifen gegenüber davon detailliert zu berichten, die hatten bei diesem Vergleich nicht die Möglichkeit, sich in dem Kriterium darzustellen.

HinterradVorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang
Ende4,6 mm3,2 mm3,5 mm3,3 mm
Verlust


Wenn man keinen Anfangswert hat, kann man natürlich nicht vergleichen … wobei der Power 5 in dem Kriterium wahrscheinlich richtig gut abschneidet, hat er doch knapp 1000 km mehr auf dem Buckel, als die anderen Reifen, die alle neu waren. Dieser Power5 hier war schon in der Geschichte unter dem Link oben dabei..

Michelin Power GP

Mein persönlicher Testsieger vor dem Bridgestone S22. Dessen Qualitäten erreicht er locker, fühlt sich für mich aber noch ein klitzekleines bisschen „geschmatziger“ an. Sowohl auf der Landstraße als auch auf dem Track lässt der Power GP nie einen Zweifel daran, wo man gerade ist und was noch alles geht. Diese Pelle schaufelt immer großes Vertrauen nach oben zum Fahrer. Mit dem Reifen hab ich die gleichen Rundenzeiten wie mit dem Bridgestone geschafft, mich dabei aber wie schon dargelegt, immer etwas „aufgehobener“ gefühlt, es ist mir mit dem GP einfach leichter gefallen, obwohl der Bridgestone etwas handlicher ist, was man aber nur im direkten Vergleich feststellt.

HinterradVorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang5,0 mm5,0 mm3,8 mm3,0 mm
Ende4,0 mm4,6 mm3,6 mm2,8 mm
Verlust1,0 mm0,4 mm0,2 mm0,2 mm

Daten

Natürlich sind wir nicht nur so zum Spaß rungerollert, wir haben Daten erhoben gemessen, verglichen und bewertet. Neben den Profiltiefen haben wir auch Reifentemperaturen gemessen, zuerst in kaltem Zustand, dann ist der gleiche Fahrer 3 Runden gefahren, eine Aufwärmrunde, dann eine voll und die letzte auch voll bis zur Ausfahrt zur Boxengasse. Wir wollten einfach wissen, welcher Reifen sich am schnellsten aufwärmt und ob die Reifen nach knapp 4, 5 km (eine Runde des Kartodromo Lucas Guerrero misst 1 428 m) schon in einem brauchbaren Temperaturfenster sind. Das waren sie dann auch alle. Vorne legten sie in der Mitte zwischen 13 und 14 Grad zu und außen ungefähr 27 Grad mit Abweichungen von höchstens 2 – 3 C°. Die Hinterräder waren in der Mitte meist 5 Grad wärmer als die vorderen, außen ähnliche Temperaturen wie die Vorderräder.

Nach einem 10-Runden Turn hatten dann alle Reifen am Hinterrad außen 65 Grad, da gabs dann nur noch Unterschiede innerhalb eines Grades, was auch Messtoleranzen sein können.

Das zusammengefasste Ergebnis gibt es bei http://www.mopedreifen.de 

derzeit unter https://www.mopedreifen.de/News/Sportreifen-Vergleich

Wir haben auch noch Hypersport-Reifen getestet:

  • Michelin Power Cup 2
  • Continental Race Attack 2 Street
  • Pirelli Diablo Supercorsa SP
  • Dunlop Sportmax Racer D 212 (vorne Medium, hinten Endurance)

Da gab es auch Ergebnisse, mit denen wir nicht von vorneherein gerechnet haben. Dazu mach ich aber eine eigene Seite. Eins nur vorab, nachdem der Conti SportAttack4 nicht so überzeugt hat, mit dem RaceAttack2 hat Conti es wesentlich besser gemacht, den fand ich in dem Segment am coolsten.

Haypah, haipah

Ein paar Hypersportreifen 2020

Da wir zufällig gerade mit ein paar Triümpfen in Spanien waren, wurden auch einige der sportlichsten, straßenzugelassenen Sportreifen mal angetestet.

Das waren

Michelin Power Cup 2

Der Cup 2 basiert wie der Power 5, der Power GP und ein Slick auf der gleichen Karkasskonstruktion. Michelin nimmt ja keine Stahlgürtel, sondern steht auf Aramid, das Zeug, das auch in Schusswesten verbaut wird.

Das ist dann auch beim Fahren deutlich zu spüren. Er ist nach kurzer Rollzeit gleich „da“ und liefert ansprechend Rückmeldung und Vertrauen. Präzise lässt er sich ums Eck zirkeln, hat aber dennoch noch eine Eigendämpfung die ihn nicht hypernervös werden lässt. Die gemeinsame Karkasse bedingt aber auch, dass der Unterschied zwischen dem Power GP und dem Cup 2 nicht so groß ist. Ne kleine Schippe legt der Cup2 schon drauf, eine Tortenschaufel vielleicht.

Continental Race Attack 2

Heißa, der Conti! Ein im Gegensatz zu seinem kleinen unartigen Bruder SportAttack4 ist der RaceAttack2 ein mit wenig Krafteinsatz zu handelnder Reifen, der sich als Hypersportreifen ähnlich leichtfüßig gibt, wie der Metzeler M9 RR bei den Supersportreifen. Der RaceAttack2 ist nur wenig später als der Michelin auf gebrauchsfertiger Temperatur, bietet dann aber die engste Linie an. Wenn man zu eng aus der Kurve rauskommt, ist oft der Anschluss an die nächste Kurve irgendwie annerst. Das hat mir anfangs dann die Linie komplett versaut bis ich gemerkt habe, ich kann dann eine weitere (eigentlich die ursprüngliche) Linie mit bissje mehr Schmackes versuchen. Wenn man dann den Bogen raushat, geht es fürchterlich einfach und fürchterlich flott um die Kinderbahn. Die Rückmeldung ist natürlich auch etwas weniger deutlich, aber nicht so, dass man nicht weiß, wo man dran ist. Wenn man erst mal Vertrauen zu dem Reifen gefasst hat, dann geht einiges. War in dieser Reifenklasse mein Favorit.

Pirelli Supercorsa SP

Dieser Reifen braucht mit Abstand die längste Zeit von allen getesteten um auf Temperatur zu kommen. Das war schon sehr beeindruckend, wie „holzig“ der die ersten 3 Runden war. Dann ging es einigermaßen, wobei mir jetzt nichts besonderes oder herausragendes auffiel. Der funktionierte auf durchschnittlichem (was bei diesen Reifen ein sehr hohes ist) Niveau, ohne sich weitere Blößen zu geben oder Stärken zu zeigen.

Dunlop GP Racer 212

Der Gentleman! Mit einer besonderen Eigenschaft gesegnet, die ihn möglicherweise zu einem Verkaufsschlager werden lässt. Eine sehr geschmeidige Eigendämpfung gepaart mit sehr viel Vertrauen erweckendem Grip, ermöglichen jedwede Linienwahl und zwar keine nervöse überreagierende, sondern die Kombination aus Medium vorne und Endurance hinten bewirken eine souveräne zielsichere Fahrt mit sehr hohem Tempo. Auch wenn ich den Conti auf diesem Kurs mit geringem Abstand bevorzugen würde, der Dunlop wird auf nicht ganz so engen Strecken möglicherweise diesen Eindruck umdrehen.

Fazit

  • der Michelin Cup 2 ist am schnellsten auf Temperatur und liefert dann eine sehr souveräne Vorstellung ab. Der Abstand zum Power GP ist mir allerdings nicht groß genug. Ich bin den Power GP schon in strömendem Regen gefahren und war sehr angenehm überrascht, was der da noch machbar macht. Der Cup 2 hat auf der Schulter gar keine Profilrillen, der wird das nicht so hinkriegen. Für Landstraße und zum Motorradfahren wäre der Power GP mein Favorit, wenn ich vornehmlich zu Trackdays oder Rennstreckentrainings zu meinem normalen Alltagsgebrauch unterwegs wäre, würde ich über den Cup 2 nachdenken.
  • Der Conti hat mir ein vergnügtes Grinsen ins Gesicht gezaubert, handlich, knackig präzise, Grip der mein Gewurstel locker übersteigt und eine noch ausreichende Rückmeldung machen ihn zu meinem Favoriten auf dem engen Kurs.
  • Der Pirelli braucht Aufwärmzeit um dann in allen Bereichen mit seinen Wettbewerbern mitzuhalten und dabei unauffällig zu bleiben. Er fährt mit, ohne negativ oder positiv aufzufallen. Eigentlich auch nicht völlig verkehrt, wenn man einfach mal nur mit seinen Kumpels mitfahren will.
  • Der Dunlop kommt aus Frankreich, von daher war der Begriff „Gentleman“ etwas irreführend. Ich halte ihn aber für einen äußerst angenehmen Vertreter seiner Zunft in dieser Reifenklasse.

Insgesamt sind die Reifen schon sehr speziell und eigentlich für den reinen Landstraßenbetrieb zu schade und zu sehr auf Sportlichkeit ausgelegt. Wie so oft ist der Einsatzzweck ein ganz wichtiges Argument bei der Reifenwahl.

Die Supersportreifen bieten schon mehr Grip und Leistung, als auf der Landstraße genutzt werden kann, selbst wenn man Verkehrsregeln „interpretiert“.

Mit den Hypersportreifen haben wir alle die Rundenzeiten noch mal deutlich reduziert, ohne dass ich den Eindruck hatte, schneller gewesen zu sein. Es war nicht anstrengender oder hektischer, einfach nur früher wieder über Start/Ziel und ich weiß nicht wo ich die Zeit geholt habe.

Die Hypersportreifen sind der letzte Schritt vor reinen Rennreifen die man mit Heizdecken auf Temperatur hält, insofern wird man damit keine Dolomitentour mit Anreise auf Achse und anschließender Weiterfahrt nach Sardinien machen.

Wer auf Achse im öffentlichen Straßenverkehr zu Trackdays und Rennstreckentrainings anreisen will, wird mit diesen Reifen bestens gerüstet sein. Wer täglich mit dem Motorrad zur Arbeit fährt, schnelle Touren vor hat und bei überraschend einsetzendem Regen nicht den ADAC anrufen will, ist mit den Supersportreifen mindestens genau so gut aufgestellt.

Michelin Anakee Adventure Experiment

Vor kurzem habe ich einem Bekannten einen Satz neue Reifen auf seine funkelnigelnagelneue BMW R1250 GS Adventure montiert. Er hatte sich von dem Hype in den Foren für den Conti Reifen anstecken lassen und war der Meinung, dass er mit der allseits besungenen Pelle ein besseres Fahrerlebnis hätte.

Runter kam der Michelin Anakee Adventure, der sah aber trotz einer vorhergehenden Reise durch Schottland mit fast 5000 Kilometern, eigentlich noch ganz gut aus.

Also habe ich ihn kurzerhand auf meine 2018er R1200 GS (ohne Adventure) montiert und fahre jetzt mal halb um die Ostsee damit, einfach immer am Wasser entlang, bis nach St. Petersburg, dann nach Moskau und von dort wieder nach Hause.

So ungefähr die Planung, das sind ca. 3500 km bis in die russische Hauptstadt, von dort schätze ich noch mal 2500 zurück. Ich möchte Weißrussland umfahren, eigentlich muss ich das, ich habe das für dieses Land erforderliche Visum nicht.

Visa für Russland haben wir, ein teurer Spaß, für meine Frau und mich für zweimalige Einreise haben wir zusammen 194 Euro bezahlt, dassind allerdings nicht nur die Gebühren für das russische Konsulat, sondern der Visadienst hat auch verdient.

und so sieht der Schottlanderprobte Michelin Anakee Adventure aus

Da sind vorne wie hinten noch ca. 4 mm Gummi zur Verfügung, wie man sieht, wurde dieser Satz auch von kundiger Hand geführt. Neu hat der Adventure vorne fast 5 mm und hinten 7 mm Gummi.

Es könnte also funktionieren, morgen gehts los ! Mal sehen, ob ich das von unterwegs mit dem Handy einigermaßen aktuell halten kann …

Update 12.August 2019, Lübeck und Schwerin

So, schon haben wir die erste ungeplante Abweichung. An der F 650 GS Twin meiner Frau läuft Motoröl aus.

Wämetauscher Kühlwasser/Motoröl und Dichtung der Ölwanne.

Wir wissen nicht genau, wo es herkommt und was es ist. Wir sehen das Öl, wischen es ab, aber wenn das Motorrad steht, läuft kein Öl, auch nicht bei laufendem Motor. Wenn wir fahren, verteilt der Fahrtwind das nach Inspektion noch helle Öl so wie auf dem Bild überall hin.

Also im Internet mach BMW- Händlern gesucht. Von Lübeck aus Richtung Osten gibt es nur noch Möller und Söhne in Schwerin. Die Mitarbeiter dort haben festgestellt, dass es sich um die Dichtung zwischen Wärmetauscher und Motorgehäuse handelt, an der die Plörre raus sifft, mittlerweile so massiv, dass der linke Stiefel der Pilotin in der näxten Zeit garantiert auch ohne Gore absolut wasserdicht ist.

Leider Gottes hat Öl auf dem Hinterreifen eine andere Wirkung.

Wir haben ein Motel in der Landeshauptstadt von MeckPomm genommen und uns die Stadt angesehen. Nicht schlecht für Dunkel-Deutschland.

Schloss und jetzt Landtag.

Wäre es tatsächlich nur die Dichtung für um die 10 Euro gewesen, hätte die Rechnung knapp 50 Euro betragen. Leider hat sich bei der Demontage herausgestellt, dass auch der Wämetauscher gewechselt werden muss. Also auch noch ein neuer Wämetauscher. Mal sehen, ob’s das war mit unerwünschten Ereignissen.

Update 13.08.2019

Leider ist es nicht gelungen, den neuen Wämetauscher abzudichten, die F650 GS ist nicht mehr fahrbereit.

Also hat der Michelin Anakee Adventure jetzt die ganze Last alleine zu schleppen. Es gab sogar nen Zuschlag von nem ganzen Zentner, soviel wiegt meine zierliche Frau in voller Ausrüstung mit Motorradklamotten. Den Tankrucksack der F haben wir oben auf einen der Alukoffer der R1200 GS geschnallt. Selbstverständlich wurde der Luftdruck auf 2,5 vorne und 2,9 hinten angehoben, auch wenn ich bisher bei Alleinfahrt 2,3 und 2,7 als komfortabler empfunden habe.

Wir setzen die Reise auf einem Motorrad fort, die Visa sind bezahlt, die lassen wir nicht verfallen. Wir haben Schwerin verlassen und sind noch bis Graal-Müritz gefahren, hab ich bisher noch nie gehört, scheint aber ein bekannter Urlaubsort zu sein. Die Privatvermieter sind sehr selbstbewusst und nehmen keine Gäste für 1 Übernachtung auf. Originalton: Da haben wir genausoviel Arbeit, wie bei einer 8-tägigen Vermietung, außerdem sind wir belegt, ich wollte gerade das Schild „Zimmer frei“ reinholen. Die Ferien sind aber vorbei, vielleicht woanders“

Nun, es hat woanders geklappt, zu ebenfalls selbstbewussten Preisen.

14. August 2019, Miedzywodzie, Polen

Den Michelin geht es gut:

Noch kein Anlass zur Sorge.

Heute haben wir das erste Mal für die Tour die Ostsee gesehen

In Swinemünde haben wirdie kostenlose Fähre benutzt und eine vage Idee, was es mit dem Namen so auf sich haben könnte.

die laufen bettelnd an den auf die Fähre wartenden Fahrzeugen vorbei

21.08.2019 erstes großes Zwischenziel erreicht.

Vorgestern sind wir in St. Petersburg angekommen, Früher Leningrad, jetzt eine lebendige, pulsierende Weltstadt mit viel eigenem Flair. Die Reifen sehen besser aus, als ich erhofft hatte.

St. Petersburg hat natürlich viele Sehenswürdigkeiten, die Eremitage, das ist das Stadtschloss der Zaren gewesen, oder das Faberge‘-Museum. Mit Peterhof und Katharinenpalast gab es auch noch ein paar Liegenschaften „etwas außerhalb“. Eines haben sie aber gemeinsam: Die können ganz schön auf den Putz hauen, was Prunk und Protz angeht.

Vergoldete Dächer am Katharinenpalast in Puschkin, in dem sich das wieder angefertigte Bernsteinzimmer befindet.


nur ein Ausschnitt vom Nebenzimmer aus mit viel Zoom fotografiert, im Bernsteinzimmer selbst ist das Fotografieren streng verboten

Etwas Kultur gab’s dann noch in der Eremitage mit Werken bekannter Küstler wie Raphael, Tizian oder Leonardo da Vinci. Das Thema „Jungfrau mit dem Kinde“ war wohl sehr beliebt.

Interessanterweise hängen die kaum geschützt an den Wänden, bestenfalls „bewacht“ von Mitarbeiterinnen, die oft gegen den Schlaf kämpfen, manchmal aber auch „ihre“ Kunstwerke mit Zähnen und Klauen verteidigen würden.

Im Fabergé – Museum sieht das ganz anders aus, da gibt’s Schutztechnik wie in James-Bond-Filmen und jede Menge Muskelberge in Anzügen, die aufpassen. Trotzdem hat mich das sehr beeindruckt und am liebsten würde ich Fotos von allen Eiern zeigen, die sind schon geil …

Das nächste große Reiseziel nach einer 750 km Fahrt war Moskau , eine völlig andere Stadt als St. Petersburg, beide haben Hauptstadtflair, wobei St. Petersburg eher etwas königliches vermittelt und Moskau stark von Stalin geprägt ist.

Kosmonautenmuseum
Auf dieser Brücke ist Matthias Rust gelandet, nicht auf dem „RotenPlatz“ direkt.

Genug der Bilder von Moskau, eigentlich geht es ja um den Michelin Anakee Adventure und die Frage, ob der durchhält.

Keine Hinweise auf Schwäche

Wir hatten ein Hotel gefunden, welches relativ nah zum Kreml und anderen Sehenswürdigkeiten lag. Die GS steht auf dem Bild im bewachten und mit einer Schranke gesicherten Hof des Hotels, direkt davor war eine Bushaltestelle und 100 m weg war die Metro-Station Kitay-Gorod mit den Linien 6 und 7. Das Metro-System ist sehr einfach wie ein Stern mit Ringen gehalten, man kommt mit maximal 2 mal umsteigen überall hin. Eine 24 Stunden Karte kostet ca. 3 Euro und kann am Gültigkeitstag unbegrenzt oft für Metro, Busse und Straßenbahnen benutzt werden.

Nach 4 Tagen voller Spaß, Erlebnissen und nächtlichen Spaziergängen an der Moskwa entlang, ging’s dann wieder Richtung Deutschland.

In Dresden haben wir noch mal übernachtet, da haben die Sachsen dem Erfinder der übelsten GS-Felgen ein Denkmal gesetzt.

Zuhause angekommen, zeigte der Kilometerzähler dann 42 373 km an, die Tour war also ungefähr 6 500 km lang.

Man sieht deutlich, der Reifen lebt noch. Er ist zwar sichtlich mitgenommen, das hohe Gewicht auf der langen Strecke hat zu mehr Verschleiß in der Mitte als an den Flanken geführt.

Noch mal zusammengefasst:

Der Reifen hatte beim Vorgänger auf dessen Schottlandtour schon eine Laufleistung von 4780 km , das ist der genaue Kilometerstand seines Motorrads, den ich bei der Demontage des Reifens notiert hatte. Auf meinem Motorrad war der Reifen von 35046 bis 42373 montiert. Diese 7327 km zu den 4780 addiert, ergeben eine bisherige Laufleistung von 12 107 km.

Zu den Profiltiefen:

Als ich den Reifen montiert hatte, habe ich noch folgende Werte gemessen:

Vorderrad in der Mitte: 4,0 mm
Vorderrad außen: 3,5 mm

Hinterrad in der Mitte: 4,0 mm
Hinterrad außen: 4,5 mm

Nach der Tour waren es hinten in der Mitte noch 2,6 mm und vorne 3,1 mm

Eigentlich wollte ich den Reifen ja bis auf’s Gewebe fahren, aber die letzten Millimeter sind bei diesem Reifen wohl die ergiebigsten, ich habe es nicht geschafft.

Momentan habe ich wieder den Michelin Road 5 Trail montiert, aber ich glaube, ich hab noch ne blöde Idee! Wär doch gelacht, wenn ich einfach so auf die letzten Millimeter verzichten und aufgeben würde … eigentlich wollte ich ja herausfinden, was passiert, wenn man ne wirklich lange Tour macht, wie weit läuft der Anakee Adventure mit den „letzten Millimetern“? Ab wann muss ich mir Gedanken machen? Gibt es eine Grenze, ab der sich der Reifen auf einmal ganz schnell verzehrt?

Nun ich bin sicher, ich werde das heraus finden!

Stella Alpina 2018 Sommelier

Ich hatte den Karoo Street extra für die Fahrt zur Stella Alpina montiert. Mein Gedanke war, sowohl auf der Straße und der Anfahrt Spaß zu haben, als auch sicher zum Camp und von dort zum Gipfel zu kommen.

Durch die Vogesen regnete es, die erste positive Überraschung: Hält auch im Nassen erstaunliche Schräglagen.

 

Basislager ist das Refugio Scarfotti, wo gecampt wurde. Ab kurz hinter Bardoneccia ist die Straße nicht mehr geteert.

Bis auf wenige enge Bergauf-Rechts-Kehren ist die Fahrt zum Zeltplatz durchaus machbar. Hier mal ein Bild, was einen da so an Untergrund erwartet, also noch kein Grund für eine Reifen, der nicht reiner Straßenreifen ist.

Bei der Auffahrt zum Gipfel ändert sich aber der Untergrund und die Ansprüche etwas. Was hier durch das Ranzoomen mit dem Handy vom Zelt aus relativ harmlos aussieht, entwickelt sich je höher man kommt, zu einer Herausforderung.

Leider gings in diesem Jahr nicht ganz nach oben, die letzten Meter waren noch so hoch mit Schnee bedeckt, dass es kein Durchkommen gab.

Reifentest Oktober 2018 in Katalonien

Im Oktober 2018 hat mopedreifen.de einen weiteren Reifentest durchgeführt. Auf den Zahn gefühlt (besser auf’s Gummi) bekamen 4 aktuelle Reifen für die BMW R1200GS, Modell 2018.

Das waren der Michelin Road 5 Trail

der Bridgestone A 41 in der Standardausführung, also NICHT die Spezifikation „G“ die in der Erstausstattung (OE) für die kommende R1250 GS verwendet wird (was der genaue Unterschied ist, ist noch nicht bekannt)

der Michelin Anakee Adventure, der ebenfalls in der Erstausstattung der
R 1250 GS kommt, allerdings in der getesteten Version

und der Pirelli Scorpion Trail 2

Sicherlich gibt es noch jede Menge weiterer interessanter Reifen, die es verdient hätten, in der nach Unabhängigkeit strebenden, stolzen spanischen Provinz Katalonien dem rauhen Straßenbelag ausgesetzt zu werden.

Mopedreifen hat sich aber dafür entschieden, die beiden neuen Reifen, die ab Januar 2019 als Erstausstattung auf der R1250 GS verwendet werden zu testen, mit dem Pirelli Scorpion Trail 2 den für die GS meistverkauften Reifen und den ebenfalls ganz neuen Straßensportreifen Michelin Road 5 Trail. (Ohne den Zusatz Trail gibts den schon länger, aber der Trail hat eine andere Karkasse und andere Gummimischungen)

Hier mal eine Übersicht, wo wir uns überall rumgetrieben haben

Am Meer waren wir natürlich auch mal

 

 

Spaß hatten wir aber auch im Landesinneren

 

Jetzt aber mal zu den Reifen im Einzelnen:

Michelin Road 5 Trail:

Beim Road 5 handelt es sich im Gegensatz zu den anderen drei Reifen um einen Straßenreifen. Diesen Vorteil spielt er gnadenlos aus. Völlig unspektakulär und unauffällig macht er genau das, was einen guten Straßenreifen ausmacht: sehr handlich, trotzdem stabil in der Kurve und bei hohen Geschwindigkeiten, lässt sich auch in Schräglage noch korrigieren und liefert selbst in tiefsten Schräglagen einfach nur Schub nach vorne, wenn man den Griff rechts ganz dreht. Da rutscht nix, da wackelt nix, da pumpt nix.

Egal mit wem man, egal wo und egal in welchem Modus man unterwegs ist, einfach reinhalten, der Road 5 verdient sich jedes Lob, das man einem Reifen geben kann.

 

Der Konzernbruder (oder -schwester)

Michelin Anakee Adventure:

Der Anakee Adventure wird ab Januar 2019 den Anakee 3 als Erstausrüstungsreifen auf der neuen R1250GS ablösen. Wie man gelesen hat, bin ich vom Road 5 begeistert und habe mal bei Michelin nachgefragt, warum man einen „Adventure“ erfindet, wenn man schon einen Road5 hat.

Michelin bietet für die GS drei Reifen an:

  • Michelin Road 5 als Straßenreifen
  • Michelin Anakee Wild fürs Gelände
  • und nun den Anakee Adventure als Bindeglied zwischen den beiden anderen

Da nun auch die Optik in Richtung Geländeeignung getrimmt wurde, muss man mit der Geräuschentwicklung leben, oder wie ich Gehörschutz tragen. Ich habe einen Carbon-Helm ST6, der ist ziemlich laut. Mit Gehörschutz höre ich die Laufgeräusche des Anakee Adventure nicht, ohne sind sie hörbar.

 

Bridgestone A41

Den habe ich schon in Marokko gefahren, der ist wirklich prima. Zwar auch kein reiner Straßenreifen, da müsste man zum T31 greifen, aber sehr stabil und zielgenau. Auch dieser Reifen wird als Erstausrüstung auf der neuen GS kommen. Allerdings ein typischer Bridgestone. Steife Karkasse und weiches Gummi. Aus dem Grund ist er sehr handlich und präzise, aber mit weniger Eigendämpfung gesegnet. Auf „normalem“ Asphalt ist das nicht bemerkbar oder gar störend, wenn man aber in von Frostaufbrüchen geplagte Gegenden kommt, merkt man schon jeden Kieselstein und jede Furche. Mit abnehmendem Gummi verstärkt sich dieser Effekt noch.

 

Pirelli Scorpion Trail 2

Der „älteste“ aber auch meist verkaufte Reifen im Test. Kommt jetzt die Ansage: „Der König ist tot!“ ? Nee, noch lange nicht. Angezählt vielleicht, wenn’s anders wäre, hätten die Mitbewerber bei der Entwicklung ihrer neuen Reifen was falsch gemacht. Aber keineswegs altes Eisen. Auf dem PST2 fühlt man sich sofort sicher wie in Abrahams Schoß, egal was kommt, der wird einen unter allen Umständen sicher und gesund nach Hause bringen. Was mir allerdings nicht so gefällt, der PST2 ist im Vergleich mit den anderen Reifen deutlich träger als die anderen Reifen. Man gewöhnt sich sehr schnell daran, so dass es nicht mehr auffällt, wechselt man aber auf einen anderen Reifen, ist man überrascht, wie einfach Motorradfahren dann doch wieder sein kann.

Dafür kam der PST2 mit dem meisten Gummi und behielt wie der Road 5 über die gesamte Tour seine wirklich gute Performance bei.

 

Laufleistungen

Habe ich gemessen, sowohl vor, als auch nach der Tour. Die Reifen kommen alle mit unterschiedlichen Profiltiefen, verschleißen aber auch unterschiedlich.

Verrechnet man Anfangsprofiltiefe und Verschleiß, kommen ALLE Reifen auf ähnliche (theoretisch prognostizierte) Laufleistungen. Deswegen spare ich mir an dieser Stelle eine aufwändige Tabelle. Bei dem einwöchigen Test auf kleinen und kleinsten Straßen kamen wir nur auf knapp 1800 Kilometer. Reifen zeigen oft ein Verschleißverhalten, was Techniker wahrscheinlich erklären können. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, manche haben einen hohen Anfangsverschleiß um sich dann zu stabilisieren, andere halten scheinbar ewig um dann innerhalb von wenigen Kilometern aufzugeben.

Also spekuliere ich mal nicht.

 

Gibt es nun ein weltbewegendes Fazit?

Nein, der Road 5 ist der Top-Performer, allerdings ein reiner Straßenreifen, der keinen Anspruch auf Rally-Dakar Eigenschaften erhebt.

Bridgestone A41 und Pirelli Scorpion Trail 2 sind straßenorientierte Großenduroreifen, mit denen man unbesorgt auch mal einen geschotterten oder festgefahrenen Feld- oder Waldweg fahren kann, wobei ich mich auf dem Bridgestone eindeutig am Besten gefühlt habe, der Pirelli aber etwas komfortabler war.

Der neue Michelin Anakee Adventure wird sich mit TKC70 und Karoo Street sowie Pirelli STR vergleichen müssen. Die sind alle eindeutig lauter. Dafür wird der Adventure diesen Vergleich mit für diese Klasse überragenden Fahreigenschaften auf der Straße dominieren. Auf dem Schotterweg sammelt er aber in diesem Umfeld wenig bis keine Punkte. Da muss/müsste Michelin noch mal ran.