Michelin Anakee Adventure Experiment

Vor kurzem habe ich einem Bekannten einen Satz neue Reifen auf seine funkelnigelnagelneue BMW R1250 GS Adventure montiert. Er hatte sich von dem Hype in den Foren für den Conti Reifen anstecken lassen und war der Meinung, dass er mit der allseits besungenen Pelle ein besseres Fahrerlebnis hätte.

Runter kam der Michelin Anakee Adventure, der sah aber trotz einer vorhergehenden Reise durch Schottland mit fast 5000 Kilometern, eigentlich noch ganz gut aus.

Also habe ich ihn kurzerhand auf meine 2018er R1200 GS (ohne Adventure) montiert und fahre jetzt mal halb um die Ostsee damit, einfach immer am Wasser entlang, bis nach St. Petersburg, dann nach Moskau und von dort wieder nach Hause.

So ungefähr die Planung, das sind ca. 3500 km bis in die russische Hauptstadt, von dort schätze ich noch mal 2500 zurück. Ich möchte Weißrussland umfahren, eigentlich muss ich das, ich habe das für dieses Land erforderliche Visum nicht.

Visa für Russland haben wir, ein teurer Spaß, für meine Frau und mich für zweimalige Einreise haben wir zusammen 194 Euro bezahlt, dassind allerdings nicht nur die Gebühren für das russische Konsulat, sondern der Visadienst hat auch verdient.

und so sieht der Schottlanderprobte Michelin Anakee Adventure aus

Da sind vorne wie hinten noch ca. 4 mm Gummi zur Verfügung, wie man sieht, wurde dieser Satz auch von kundiger Hand geführt. Neu hat der Adventure vorne fast 5 mm und hinten 7 mm Gummi.

Es könnte also funktionieren, morgen gehts los ! Mal sehen, ob ich das von unterwegs mit dem Handy einigermaßen aktuell halten kann …

Update 12.August 2019, Lübeck und Schwerin

So, schon haben wir die erste ungeplante Abweichung. An der F 650 GS Twin meiner Frau läuft Motoröl aus.

Wämetauscher Kühlwasser/Motoröl und Dichtung der Ölwanne.

Wir wissen nicht genau, wo es herkommt und was es ist. Wir sehen das Öl, wischen es ab, aber wenn das Motorrad steht, läuft kein Öl, auch nicht bei laufendem Motor. Wenn wir fahren, verteilt der Fahrtwind das nach Inspektion noch helle Öl so wie auf dem Bild überall hin.

Also im Internet mach BMW- Händlern gesucht. Von Lübeck aus Richtung Osten gibt es nur noch Möller und Söhne in Schwerin. Die Mitarbeiter dort haben festgestellt, dass es sich um die Dichtung zwischen Wärmetauscher und Motorgehäuse handelt, an der die Plörre raus sifft, mittlerweile so massiv, dass der linke Stiefel der Pilotin in der näxten Zeit garantiert auch ohne Gore absolut wasserdicht ist.

Leider Gottes hat Öl auf dem Hinterreifen eine andere Wirkung.

Wir haben ein Motel in der Landeshauptstadt von MeckPomm genommen und uns die Stadt angesehen. Nicht schlecht für Dunkel-Deutschland.

Schloss und jetzt Landtag.

Wäre es tatsächlich nur die Dichtung für um die 10 Euro gewesen, hätte die Rechnung knapp 50 Euro betragen. Leider hat sich bei der Demontage herausgestellt, dass auch der Wämetauscher gewechselt werden muss. Also auch noch ein neuer Wämetauscher. Mal sehen, ob’s das war mit unerwünschten Ereignissen.

Update 13.08.2019

Leider ist es nicht gelungen, den neuen Wämetauscher abzudichten, die F650 GS ist nicht mehr fahrbereit.

Also hat der Michelin Anakee Adventure jetzt die ganze Last alleine zu schleppen. Es gab sogar nen Zuschlag von nem ganzen Zentner, soviel wiegt meine zierliche Frau in voller Ausrüstung mit Motorradklamotten. Den Tankrucksack der F haben wir oben auf einen der Alukoffer der R1200 GS geschnallt. Selbstverständlich wurde der Luftdruck auf 2,5 vorne und 2,9 hinten angehoben, auch wenn ich bisher bei Alleinfahrt 2,3 und 2,7 als komfortabler empfunden habe.

Wir setzen die Reise auf einem Motorrad fort, die Visa sind bezahlt, die lassen wir nicht verfallen. Wir haben Schwerin verlassen und sind noch bis Graal-Müritz gefahren, hab ich bisher noch nie gehört, scheint aber ein bekannter Urlaubsort zu sein. Die Privatvermieter sind sehr selbstbewusst und nehmen keine Gäste für 1 Übernachtung auf. Originalton: Da haben wir genausoviel Arbeit, wie bei einer 8-tägigen Vermietung, außerdem sind wir belegt, ich wollte gerade das Schild „Zimmer frei“ reinholen. Die Ferien sind aber vorbei, vielleicht woanders“

Nun, es hat woanders geklappt, zu ebenfalls selbstbewussten Preisen.

14. August 2019, Miedzywodzie, Polen

Den Michelin geht es gut:

Noch kein Anlass zur Sorge.

Heute haben wir das erste Mal für die Tour die Ostsee gesehen

In Swinemünde haben wirdie kostenlose Fähre benutzt und eine vage Idee, was es mit dem Namen so auf sich haben könnte.

die laufen bettelnd an den auf die Fähre wartenden Fahrzeugen vorbei

21.08.2019 erstes großes Zwischenziel erreicht.

Vorgestern sind wir in St. Petersburg angekommen, Früher Leningrad, jetzt eine lebendige, pulsierende Weltstadt mit viel eigenem Flair. Die Reifen sehen besser aus, als ich erhofft hatte.

St. Petersburg hat natürlich viele Sehenswürdigkeiten, die Eremitage, das ist das Stadtschloss der Zaren gewesen, oder das Faberge‘-Museum. Mit Peterhof und Katharinenpalast gab es auch noch ein paar Liegenschaften „etwas außerhalb“. Eines haben sie aber gemeinsam: Die können ganz schön auf den Putz hauen, was Prunk und Protz angeht.

Vergoldete Dächer am Katharinenpalast in Puschkin, in dem sich das wieder angefertigte Bernsteinzimmer befindet.


nur ein Ausschnitt vom Nebenzimmer aus mit viel Zoom fotografiert, im Bernsteinzimmer selbst ist das Fotografieren streng verboten

Etwas Kultur gab’s dann noch in der Eremitage mit Werken bekannter Küstler wie Raphael, Tizian oder Leonardo da Vinci. Das Thema „Jungfrau mit dem Kinde“ war wohl sehr beliebt.

Interessanterweise hängen die kaum geschützt an den Wänden, bestenfalls „bewacht“ von Mitarbeiterinnen, die oft gegen den Schlaf kämpfen, manchmal aber auch „ihre“ Kunstwerke mit Zähnen und Klauen verteidigen würden.

Im Fabergé – Museum sieht das ganz anders aus, da gibt’s Schutztechnik wie in James-Bond-Filmen und jede Menge Muskelberge in Anzügen, die aufpassen. Trotzdem hat mich das sehr beeindruckt und am liebsten würde ich Fotos von allen Eiern zeigen, die sind schon geil …

Das nächste große Reiseziel nach einer 750 km Fahrt war Moskau , eine völlig andere Stadt als St. Petersburg, beide haben Hauptstadtflair, wobei St. Petersburg eher etwas königliches vermittelt und Moskau stark von Stalin geprägt ist.

Kosmonautenmuseum
Auf dieser Brücke ist Matthias Rust gelandet, nicht auf dem „RotenPlatz“ direkt.

Genug der Bilder von Moskau, eigentlich geht es ja um den Michelin Anakee Adventure und die Frage, ob der durchhält.

Keine Hinweise auf Schwäche

Wir hatten ein Hotel gefunden, welches relativ nah zum Kreml und anderen Sehenswürdigkeiten lag. Die GS steht auf dem Bild im bewachten und mit einer Schranke gesicherten Hof des Hotels, direkt davor war eine Bushaltestelle und 100 m weg war die Metro-Station Kitay-Gorod mit den Linien 6 und 7. Das Metro-System ist sehr einfach wie ein Stern mit Ringen gehalten, man kommt mit maximal 2 mal umsteigen überall hin. Eine 24 Stunden Karte kostet ca. 3 Euro und kann am Gültigkeitstag unbegrenzt oft für Metro, Busse und Straßenbahnen benutzt werden.

Nach 4 Tagen voller Spaß, Erlebnissen und nächtlichen Spaziergängen an der Moskwa entlang, ging’s dann wieder Richtung Deutschland.

In Dresden haben wir noch mal übernachtet, da haben die Sachsen dem Erfinder der übelsten GS-Felgen ein Denkmal gesetzt.

Zuhause angekommen, zeigte der Kilometerzähler dann 42 373 km an, die Tour war also ungefähr 6 500 km lang.

Man sieht deutlich, der Reifen lebt noch. Er ist zwar sichtlich mitgenommen, das hohe Gewicht auf der langen Strecke hat zu mehr Verschleiß in der Mitte als an den Flanken geführt.

Noch mal zusammengefasst:

Der Reifen hatte beim Vorgänger auf dessen Schottlandtour schon eine Laufleistung von 4780 km , das ist der genaue Kilometerstand seines Motorrads, den ich bei der Demontage des Reifens notiert hatte. Auf meinem Motorrad war der Reifen von 35046 bis 42373 montiert. Diese 7327 km zu den 4780 addiert, ergeben eine bisherige Laufleistung von 12 107 km.

Zu den Profiltiefen:

Als ich den Reifen montiert hatte, habe ich noch folgende Werte gemessen:

Vorderrad in der Mitte: 4,0 mm
Vorderrad außen: 3,5 mm

Hinterrad in der Mitte: 4,0 mm
Hinterrad außen: 4,5 mm

Nach der Tour waren es hinten in der Mitte noch 2,6 mm und vorne 3,1 mm

Eigentlich wollte ich den Reifen ja bis auf’s Gewebe fahren, aber die letzten Millimeter sind bei diesem Reifen wohl die ergiebigsten, ich habe es nicht geschafft.

Momentan habe ich wieder den Michelin Road 5 Trail montiert, aber ich glaube, ich hab noch ne blöde Idee! Wär doch gelacht, wenn ich einfach so auf die letzten Millimeter verzichten und aufgeben würde … eigentlich wollte ich ja herausfinden, was passiert, wenn man ne wirklich lange Tour macht, wie weit läuft der Anakee Adventure mit den „letzten Millimetern“? Ab wann muss ich mir Gedanken machen? Gibt es eine Grenze, ab der sich der Reifen auf einmal ganz schnell verzehrt?

Nun ich bin sicher, ich werde das heraus finden!

Vorstellung Bridgestone T31 und A41 in Marokko

Bridgestone hatte einige Blogger nach Ouarzazate eingeladen um neue Motorradreifen vorzustellen. War ne coole Sache und ein Super-Event.

Bridgestone T31

Der T31 ist ein Sport-Touring Reifen der meiner Meinung nach ausgesprochen geeignet ist. Jede Menge Mopeds aller Hersteller und richtig schöne Strecken Außer den verschiedenen Motorrädern war kein Vergleich mit anderen Reifen möglich, aber ich konnte den T31 bei einer Ausfahrt von mopedreifen.de im Vergleich mit Michelin Road 5, Continental Road Attack3 und Metzeler Roadtec 01 fahren. Da hat mich der T31 schon absolut überzeugt. Was Handlichkeit und Spurstabilität angeht, übertrifft er die anderen Reifen deutlich und das sind keine Nasenbohrer sondern auch richtig gute Reifen. Nässequalitäten konnte ich nicht testen, das Wetter war zu schön. Bridgestone sagt, der kann auch nass

Bridgestone A41

Mit dem A41 hat Bridgestone auch einen Reifen für Reiseenduros im Programm damit kann man nicht nur abseits geteerter oder befestigter Untergründe Spaß haben, das geht auch auf „normalen“ Straßen. Eigentlich müsste jetzt das übliche kommen, wie toll der Reifen ist. Da ich aber kein bezahlter Claqueur bin und wie oben schon dargestellt, kein Vergleich mit dem Wettbewerb möglich war, lasse ich das bleiben. Bridgestone ist von den Nässeeigenschaften oder neudeutsch „wet-performance“ überzeugt: Ich kann aber sagen, dass wir nach der Vorstellung bei Reifenhandel Vuidar in Biebelnheim einen Satz A41 für die F650GS Twin meiner Frau gekauft haben und sie sich sehr wohl damit fühlt. Sie fährt eigentlich eher sehr touristisch, der A41 vermittelt ihr aber anscheinend so viel Vertrauen, dass sie sogar schon mal mit den Fußrasten aufgesetzt hat. (das erste Mal überhaupt, sonst kommt sie bei weitem nicht in diese Schräglagen)

Reifentest Oktober 2018 in Katalonien

Im Oktober 2018 hat mopedreifen.de einen weiteren Reifentest durchgeführt. Auf den Zahn gefühlt (besser auf’s Gummi) bekamen 4 aktuelle Reifen für die BMW R1200GS, Modell 2018.

Das waren der Michelin Road 5 Trail

der Bridgestone A 41 in der Standardausführung, also NICHT die Spezifikation „G“ die in der Erstausstattung (OE) für die kommende R1250 GS verwendet wird (was der genaue Unterschied ist, ist noch nicht bekannt)

der Michelin Anakee Adventure, der ebenfalls in der Erstausstattung der
R 1250 GS kommt, allerdings in der getesteten Version

und der Pirelli Scorpion Trail 2

Sicherlich gibt es noch jede Menge weiterer interessanter Reifen, die es verdient hätten, in der nach Unabhängigkeit strebenden, stolzen spanischen Provinz Katalonien dem rauhen Straßenbelag ausgesetzt zu werden.

Mopedreifen hat sich aber dafür entschieden, die beiden neuen Reifen, die ab Januar 2019 als Erstausstattung auf der R1250 GS verwendet werden zu testen, mit dem Pirelli Scorpion Trail 2 den für die GS meistverkauften Reifen und den ebenfalls ganz neuen Straßensportreifen Michelin Road 5 Trail. (Ohne den Zusatz Trail gibts den schon länger, aber der Trail hat eine andere Karkasse und andere Gummimischungen)

Hier mal eine Übersicht, wo wir uns überall rumgetrieben haben

Am Meer waren wir natürlich auch mal

 

 

Spaß hatten wir aber auch im Landesinneren

 

Jetzt aber mal zu den Reifen im Einzelnen:

Michelin Road 5 Trail:

Beim Road 5 handelt es sich im Gegensatz zu den anderen drei Reifen um einen Straßenreifen. Diesen Vorteil spielt er gnadenlos aus. Völlig unspektakulär und unauffällig macht er genau das, was einen guten Straßenreifen ausmacht: sehr handlich, trotzdem stabil in der Kurve und bei hohen Geschwindigkeiten, lässt sich auch in Schräglage noch korrigieren und liefert selbst in tiefsten Schräglagen einfach nur Schub nach vorne, wenn man den Griff rechts ganz dreht. Da rutscht nix, da wackelt nix, da pumpt nix.

Egal mit wem man, egal wo und egal in welchem Modus man unterwegs ist, einfach reinhalten, der Road 5 verdient sich jedes Lob, das man einem Reifen geben kann.

 

Der Konzernbruder (oder -schwester)

Michelin Anakee Adventure:

Der Anakee Adventure wird ab Januar 2019 den Anakee 3 als Erstausrüstungsreifen auf der neuen R1250GS ablösen. Wie man gelesen hat, bin ich vom Road 5 begeistert und habe mal bei Michelin nachgefragt, warum man einen „Adventure“ erfindet, wenn man schon einen Road5 hat.

Michelin bietet für die GS drei Reifen an:

  • Michelin Road 5 als Straßenreifen
  • Michelin Anakee Wild fürs Gelände
  • und nun den Anakee Adventure als Bindeglied zwischen den beiden anderen

Da nun auch die Optik in Richtung Geländeeignung getrimmt wurde, muss man mit der Geräuschentwicklung leben, oder wie ich Gehörschutz tragen. Ich habe einen Carbon-Helm ST6, der ist ziemlich laut. Mit Gehörschutz höre ich die Laufgeräusche des Anakee Adventure nicht, ohne sind sie hörbar.

 

Bridgestone A41

Den habe ich schon in Marokko gefahren, der ist wirklich prima. Zwar auch kein reiner Straßenreifen, da müsste man zum T31 greifen, aber sehr stabil und zielgenau. Auch dieser Reifen wird als Erstausrüstung auf der neuen GS kommen. Allerdings ein typischer Bridgestone. Steife Karkasse und weiches Gummi. Aus dem Grund ist er sehr handlich und präzise, aber mit weniger Eigendämpfung gesegnet. Auf „normalem“ Asphalt ist das nicht bemerkbar oder gar störend, wenn man aber in von Frostaufbrüchen geplagte Gegenden kommt, merkt man schon jeden Kieselstein und jede Furche. Mit abnehmendem Gummi verstärkt sich dieser Effekt noch.

 

Pirelli Scorpion Trail 2

Der „älteste“ aber auch meist verkaufte Reifen im Test. Kommt jetzt die Ansage: „Der König ist tot!“ ? Nee, noch lange nicht. Angezählt vielleicht, wenn’s anders wäre, hätten die Mitbewerber bei der Entwicklung ihrer neuen Reifen was falsch gemacht. Aber keineswegs altes Eisen. Auf dem PST2 fühlt man sich sofort sicher wie in Abrahams Schoß, egal was kommt, der wird einen unter allen Umständen sicher und gesund nach Hause bringen. Was mir allerdings nicht so gefällt, der PST2 ist im Vergleich mit den anderen Reifen deutlich träger als die anderen Reifen. Man gewöhnt sich sehr schnell daran, so dass es nicht mehr auffällt, wechselt man aber auf einen anderen Reifen, ist man überrascht, wie einfach Motorradfahren dann doch wieder sein kann.

Dafür kam der PST2 mit dem meisten Gummi und behielt wie der Road 5 über die gesamte Tour seine wirklich gute Performance bei.

 

Laufleistungen

Habe ich gemessen, sowohl vor, als auch nach der Tour. Die Reifen kommen alle mit unterschiedlichen Profiltiefen, verschleißen aber auch unterschiedlich.

Verrechnet man Anfangsprofiltiefe und Verschleiß, kommen ALLE Reifen auf ähnliche (theoretisch prognostizierte) Laufleistungen. Deswegen spare ich mir an dieser Stelle eine aufwändige Tabelle. Bei dem einwöchigen Test auf kleinen und kleinsten Straßen kamen wir nur auf knapp 1800 Kilometer. Reifen zeigen oft ein Verschleißverhalten, was Techniker wahrscheinlich erklären können. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, manche haben einen hohen Anfangsverschleiß um sich dann zu stabilisieren, andere halten scheinbar ewig um dann innerhalb von wenigen Kilometern aufzugeben.

Also spekuliere ich mal nicht.

 

Gibt es nun ein weltbewegendes Fazit?

Nein, der Road 5 ist der Top-Performer, allerdings ein reiner Straßenreifen, der keinen Anspruch auf Rally-Dakar Eigenschaften erhebt.

Bridgestone A41 und Pirelli Scorpion Trail 2 sind straßenorientierte Großenduroreifen, mit denen man unbesorgt auch mal einen geschotterten oder festgefahrenen Feld- oder Waldweg fahren kann, wobei ich mich auf dem Bridgestone eindeutig am Besten gefühlt habe, der Pirelli aber etwas komfortabler war.

Der neue Michelin Anakee Adventure wird sich mit TKC70 und Karoo Street sowie Pirelli STR vergleichen müssen. Die sind alle eindeutig lauter. Dafür wird der Adventure diesen Vergleich mit für diese Klasse überragenden Fahreigenschaften auf der Straße dominieren. Auf dem Schotterweg sammelt er aber in diesem Umfeld wenig bis keine Punkte. Da muss/müsste Michelin noch mal ran.

 

 

 

 

Meine Winterausstattung zum Motorradfahren

Leider sind die RUKKA-Sachen nach einem halben Jahr undicht geworden

Ich fahre ja das ganze Jahr durch, der Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ stimmt so nicht. Es gibt sehr wohl schlechtes Wetter, bei Schnee und Eis fahre ich auch nicht los (außer zu den Elefantentreffen) , kann aber davon überrascht werden. Dann ist gescheite Ausrüstung hilfreich.

Da alle ehemals angeblich wasserdichten Anzüge mittlerweile Wasser jederzeit durchlassen,  habe ich mir jetzt einen Anzug von Rukka gegönnt, trotz des billigsten Modells Simot-Jacke und RCT-Hose bei Louis mit diversen Vergünstigungen und Boni gekauft,  habe ich immer noch 630 Euro dafür ausgegeben. Dafür ist die Membran nur als Z-Liner ausgeführt, hängt also zwischen Außenhülle und Futterstoff.  Liebend gerne hätte ich natürlich den Top-End-Laminat-Anzug gehabt, aber der hätte das dreifache gekostet, das wollte ich nicht ausgeben!

Auch der günstigste sollte dicht sein und wenn nicht, werde ich den zurückgeben.

Nachtrag Juli 2029: Genau das ist jetzt passiert! Die Jacke war nach einer einstündigen Fahrt im Nassen an den Ellbogen undicht und die Hose im Schritt und am Hintern. Ich hab sie zu Louis zurückgebracht. Das ist jetzt ein paar Tage her, man hat mir zugesichert, Ersatzklamotten zu besorgen, darauf warte ich immer noch. Gehört habe ich auch noch nichts

Leider fehlt der Jacke auch noch ein Rückenprotektor, der passende von Rukka kostet bei fast allen Anbietern 80 Euro, ich habe mich aber für den Ortho-Max von Orthema entschieden, die haben derzeit (Jahreswechsel 2018/2019)  auch eine Aktion, für 85 Euro gibt’s dann einen richtigen Rückenprotektor der nicht in der Jacke hängt, sondern immer über der Wirbelsäule gehalten wird. Ist wahrscheinlich wie so vieles eine Glaubensfrage, ein in die Textil-Jacke integrierter ist besser als gar keiner, ein „extra“-Protektor verrutscht aber nicht.

Den ersten Test hat die Jacke mal bestanden, ich habe einfach ein bisschen Wasser auf die Jacke gegossen und gekuckt, was passiert. Nix. Wie langweilig. Also hab ich mit dem Finger versucht, das Wasser in den Außenstoff einzureiben. Ging nicht. Also die Imprägnierung der äußeren Schicht scheint mal nicht schlecht zu sein.

Zum Vergleich dann auch noch die Hose nach 200 km Fahrt auf feuchter Straße, also mit jeder Menge Sprühnebel vom Vorderrad, der sich dann auf dem Gewebe niederschlägt und so ein bisschen den Lotus-Effekt beeinträchtigt.

Richtigen Dauerregen hatte ich noch nicht, der wird aber bestimmt kommen.

Darauf warte ich auch noch aus einem anderen Grund: ich habe mir für 37.51 Euro (incl. Versand) eine Unterzieh-Sturmhaube gekauft, der Kragen mit Gummizug wird über dem Jackenkragen getragen und besteht aus drei verschiedenen Materialien. Oben auf dem Kopf irgendwas, was andere Sturmhauben auch haben um den unteren Teil an Ort und Stelle zu halten. Vorne vor dem Kinn ist Neopren, dieses etwas steifere Material als Textil hält den Bereich vom Nasen- und Mundbereich weg (zumindest bei mir) und sorgt dafür, dass die Ausatemluft nicht direkt auf die Innenseite des Visiers geblasen wird. Das scheint auch zu funktionieren.

Ich habe vom Anbieter Art for function die Erlaubnis erhalten, deren Bilder zu verwenden, darauf sieht man das Prinzip wesentlich besser, als auf meinem Kleiderhakenbild. Also die beiden folgenden Bilder sind nicht von mir, sondern zur Verfügung gestellt.

Der untere Teil, der über dem Jackenkragen getragen wird,  ist aus einem Material von dem der Anbieter behauptet, dass es wind- und wasserdicht sei. Also winddicht kann ich bestätigen. Trotz Temperaturen um 0 C° hatte ich ein subjektiv angenehmeres und zugfreieres Gefühl als mit konventionellen Hauben. Es gibt etwas ähnliches für das halbe Geld von Reusch, kann man bei Polo kaufen. Das hatte ich auf der Suche nach einer Abdichtung der Schwachstelle Hals bei Starkregen auch mal gekauft. Sieht ähnlich aus wie das Teil von Scott/Art for function, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Dort wo die Scott-Haube unten eine einstellbare Schnur zum Anpassen an die Kragenweite hat, hat die Haube von Reusch einen nicht verstellbaren straffen Gummizug, ähnlich den Beinabschlüssen von Pampers-Windeln. Das führt dazu, dass man es nicht alleine anziehen kann. Schließlich hat man schon die Jacke an, vielleicht sogar nen Pullover drunter und muss mit beiden Armen gleichzeitig sehr beweglich sein, da der unverstellbare Gummizug den Halsabschluss immer wieder verzieht, wenn man an der anderen Seite ausrichtet.  Der Scott ist da relativ easy anzu passen, da der Zug erst dann gezogen wird, wenn man die Haube über den Kragen gezogen hat, dabei genügt ein Arm, mit dem man die Haube ausrichtet. Dann zieht man vorne und es liegt dicht an. Kleines aber wichtiges Detail, das den Unterschied zwischen „billig“ und „funktioniert“ ausmacht.

Darüber trage ich im Winter meinen Held ST6, mittlerweile ein „alter“ Helm, aber aus Carbon und schön leicht. Leider öffnet das Visier nicht sehr weit, im Sommer ist das lästig, weil man die Unterkante des Visiers im Blickfeld hat und so richtig leise ist er auch nicht. Dafür passt er farblich zu fast allen Motorradanzügen.

An Handschuhen habe ich mir im November 2018 bei einem Abverkauf von Louis noch dicke Winterhandschuhe, Held Tonale gegönnt, statt 130 Euro gab’s die für 89 Taler, mit denen bin ich aber noch nicht so begeistert. Die Länge der Finger ist bei diesem Paar wie maßgeschneidert, aber das Bedienen des Navis (ich habe einen BMW-Navigator 5 der von Garmin hergestellt wurde) ist fast nicht möglich, zumindest nicht über den Touch-Screen. Ansonsten sind sie schön kuschelig und winterhandschuh-mäßig ohne ausgeprägtes Griffgefühl.

Dabei gehen die Stulpen (die man mit einem Wärmepad bestücken könnte) gerade noch so in die Ärmel der RUKKA Jacke.

Bleiben noch Stiefel; da nutze ich meine Stiefel, die ich auch im Sommer trage, Daytona Big Travel GTX. Die haben eine Lederabdeckung über den Reißverschlüssen, das ist praktisch wenn man zu den Elefantentreffen fährt, dann reibt sich kein Schnee in den Reißverschluss und man kriegt sie einfacher auf und zu. Bilder von denen stelle ich nicht ein, die sind schon über 10 Jahre alt und sehen aus, als ob ich alle Kilometer damit zu Fuß zurück gelegt hätte.

Privat: Stella Alpina 2018 Sommelier

Ich hatte den Karoo Street extra für die Fahrt zur Stella Alpina montiert. Mein Gedanke war, sowohl auf der Straße und der Anfahrt Spaß zu haben, als auch sicher zum Camp und von dort zum Gipfel zu kommen.

Durch die Vogesen regnete es, die erste positive Überraschung: Hält auch im Nassen erstaunliche Schräglagen.

 

Basislager ist das Refugio Scarfotti, wo gecampt wurde. Ab kurz hinter Bardoneccia ist die Straße nicht mehr geteert.

Bis auf wenige enge Bergauf-Rechts-Kehren ist die Fahrt zum Zeltplatz durchaus machbar. Hier mal ein Bild, was einen da so an Untergrund erwartet, also noch kein Grund für eine Reifen, der nicht reiner Straßenreifen ist.

Bei der Auffahrt zum Gipfel ändert sich aber der Untergrund und die Ansprüche etwas. Was hier durch das Ranzoomen mit dem Handy vom Zelt aus relativ harmlos aussieht, entwickelt sich je höher man kommt, zu einer Herausforderung.

Leider gings in diesem Jahr nicht ganz nach oben, die letzten Meter waren noch so hoch mit Schnee bedeckt, dass es kein Durchkommen gab.