Berg Ararat

(das Bild oben ist nur vorläufig geliehen, bis ich ein eigenes habe) es stammt von Von Սէրուժ Ուրիշեան (Serouj Ourishian) – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54972346

So langsam geht es los, das Wetter ist … hmmm … durchwachsen.

Eigentlich wollten wir mit den „leichten und luftigen“ Sommeranzügen losfahren, aber der Himmel ist bedeckt und die Vorhersage verspricht immer wieder kurze und lokale Schauer.
Was tun sprach Zeus – Nee, der nicht, der sitzt ja auf dem anderen Berg, dem Olymp – also den nicht fragen.

Regenzeugs gleich drüber ziehen? Ne Kurzdusche hinnehmen und sich dann „trocken blasen“ lassen?

Wir entscheiden das erst im letzten Moment, jetzt erst mal packen. Da stellt sich die nächste Frage: „was nehmen wir mit?“

Eigentlich wollen wir ohne feste Buchung unterwegs entscheiden, wie lange und wie weit wir fahren bevor wir uns eine Unterkunft suchen, die grobe Route haben wir im Kopf.

Auf dem Weg zum Ararat wollen wir noch in Kappadokien vorbei,

Bildquelle: Von Grizurgbg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=541935

Mal sehen, wie es dann weiter geht …

27.05.2022

Los geht’s, vielleicht schaffen wir es, vor dem Wetter zu bleiben.

Das witzige ist, dass wir den ersten Fuffie ausgegeben haben, bevor wir auch nur einen einzigen Meter gefahren sind. Wir wollen ja am Anfang „Strecke machen“, fahren also auf dem Hinweg Autobahn.

Für 2 Motorräder kosten Österreich und Ungarn zusammen ziemlich genau 50 Euro.

Eins haben wir schon rausgekriegt, Reisen ist schlecht für Vorurteile. Kurz hinter Wien haben wir noch mal Regen -Klamotten angelegt, dabei habe ich meine Kopfhaube mit wasserdichtem Kragen auf dem Motorrad vergessen. Doris hat sie später gesehen, „fliegend“ und kurz vor einem Autobahnkreuz. 5 km später konnten wir anhalten.

Da hält doch ein LKW 🚚 hinter uns, der Fahrer steigt aus, gibt mir die Haube, dreht sich um und stapfte zurück zu seinem Gefährt.

Ich konnte nur Danke und Thank you und Gracias rufen und freundlich winken , weg war er wieder.

Rumänisches Kennzeichen.

Nach insgesamt 927 Kilometern sind wir dann abgestiegen und haben Quartier bezogen und ganz wichtig:

3 Europäische Taler für beides weil wir noch keine Orban-Währung hatten. Ungarn hat tatsächlich noch Forint.

28.05.2022

Erste „Feldreparatur“. An der F650 GS ist das Rücklichtbirnchen durchgebrannt. Jetzt finde mal in einem HighTech-Land wie Ungarn ein passendes Leuchtmittel. War ganz einfach, auf der Rückseite vom Interspar ist ein OBI, der hatte sowas.

Leider hat es bis auf die ersten 250 km nur geregnet, deswegen haben wir statt der geplanten Station Sofia in Bulgarien nur Craiova in Rumänien erreicht. Statt geplanter 955 km nur 745 km. Unterwegs dann immer wieder die Frage, ballern wir durch wie geplant, oder halten wir mal an? Es gab unterwegs so viel Schönes zu sehen. Liebevoll verzierte kleine Häuser, Kirchen, Flüsse und Landschaften, Kirchen und das ganze Urlaubs- und Kulturgedöns

Bewacht von dem

29.05.2022

Frühstück war im Preis mit drin, aber es gab nur 3 Versionen. Der Google-Übersetzer hat das überhaupt nicht auf die Reihe gekriegt, Ich hatte Rührei mit saurem Ziegenkäse und eine labbrige, klebrige Schweine-Winkfleisch-Scheibe. Bei leichtem Nieselregen ging es in Rumänien los, die 1250er BMW meldete Rekordwerte eines niedrigen Kraftstoffverbrauchs von 4,3 l/100km.

Mit der Fähre ging es über die Donau, die ja oft ein Grenzfluss ist, hier zwischen Rumänien und Bulgarien .

Das waren dann nach einer ziemlichen Strecke von der bulgarischen Seite weg, die ersten Häuser in Bulgarien. Eigentlich idyllisch, mit Schilf und Fluss.

Bulgarien ist entlang der Strecke, die wir gefahren sind, ein wunderschönes Land. Manchmal denkt man, die Landschaft könnte auch in Deutschland liegen, manchmal könnte es in der USA sein, Kansas oder Oklahoma, dazu passend sind dann auch die riesigen Werbetafeln wie bei den Amis. Auf jeden Fall war es doof, da einfach durch zu fahren, ich glaub, da will ich noch mal hin, genauer kucken.

Spät Abends sind wir dann in die Türkei eingereist.

Die sind sturer und deutscher als alles was ich bisher erlebt habe. Da beide Motorräder auf mich zugelassen sind, konnte das Motorrad von Doris nicht einfach so in ihren Pass eingetragen werden. Ich musste mir erst selbst eine Vollmacht erteilen ihr die Nutzung der F650 GS zu gestatten. Ja, Reisen bildet! Natürlich hat bis zum guten Ende ein heiserer Gockel über Lautsprecher gekräht, dass „alle zu Acht-Bar“ gefahren wären, wo auch immer die liegen mag. Die scheint dringend Umsatz nötig zu haben die Werbung lief dauernd.

Im Hotel ähnliche Prinzipienreiterei. Ein Zimmer mit einem großen Bett hätte 6 Euro Aufpreis zu zwei Einzelbetten gekostet. Aus Geiz und finanzieller Not haben wir es bei der 19 Euro-Lösung mit getrennten Betten belassen. Da das Zimmer aber über einen Balkon verfügen sollte, (was es nicht hatte) hätten wir doch ein Zimmer mit großem Bett für den gleichen Preis erhalten. Ich hab mich dann aber lieber für ein kalten Efes-Bier entschieden, welches die gar nicht verkaufen dürfen. Ich habe es für die entsorgen müssen, da es wohl ein Gast vergessen hatte und man sonst keine Verwendung dafür finden konnte.

30.05.2022

Da wir gestern zwei Grenzen passiert haben, sind wir nur 650 km weiter gekommen. Die Einreise nach Bulgarien war trotz EU-Land mit Passkontrolle, Registrieren der Fahrzeuge und Erhebung der Gebühren für die Nutzung der „Hafeninfrastruktur“ aufwändiger und zeitintensiver als wir Schengen-Verwöhnten das kennen.

Die Einreise in die Türkei war dann vergleichbar anstrengend und nervenaufreibend mit Russland-Einreise suf dem Landweg.

Heute morgen werden wir erst mal eine türkische Telefonkarte fürs Internet besorgen und Autobahnvignetten. Das nächste Ziel ist Göreme in Kappadokien, über 900 km weit weg, das werden wir heute nicht mehr schaffen.

Der Tag fing mal gut an, mit purem In-mouth-Entertainment

Da gab’s auch für uns unbekanntes in den Töpfchen und Tiegelchen. Eine Creme schmeckte wie Erdnussbutter mit Nutella. Die Butter schwamm in Honig. Satt für den ganzen Tag, zumindest haben wir uns bis Abends so gefühlt.

Dann wurde es aber zäh, wir wollten eine türkische Telefonkarte besorgen „Highway Tickets“ für die Motorräder und am Automaten etwas Bargeld ziehen.

Erst der dritte Telefonladen hatte qualifiziertes Personal, um eine SIM-Karte zu verkaufen und zu aktivieren. Erst der dritte Automat bequemte sich, für etwas über 40 Euro Bares auszuspucken. Die „Highway-Tickets werden auch bei der Post PTT verkauft. Nicht wenn sie keine mehr haben, nicht wenn in einer halben Stunde die Mittagspause beginnt.

Dann habe ich wieder einmal Demut gelernt. Als ich im Telefon Laden war, wurde Doris von „Halil aus Edirne“ angesprochen und Hilfe angeboten. Die zweite Klatsche die ich kassierte, der sprach besser Hochdeutsch als ich. Er ist mit uns zu 3 PTT Läden gefahren, bis wir loslegen konnten. So hilfsbereit sind bei uns nur ganz wenige. Ich muss da an mir arbeiten.

Davon abgesehen, funktionieren tut das System nicht. So sieht das aus wenn die BMW sich gegenüber der Schranke durchgesetzt hat.

hängt sich bei leichtester Berührung sofort aus, fällt um und knickt weg.
Das „Highway-Ticket “ funktioniert oft nicht bei Motorrädern. Weder der integrierte Chip wird erk
annt, noch der Barcode.

Irgendwann kamen wir dann doch an die Sultan Selim Brücke, die nördlichste der 3 Brücken über den Bosporus. Leider konnte man nur vor und nicht auf der Brücke zum Fotografieren halten. Der Blick von der Brücke nach rechts auf die entfernte Skyline von Istanbul ist mega!

Jetzt sind wir in Ankara (hier will ich nicht mal tot überm Zaun hängen; huh, was für eine bedrohlich wirkende Stadt) im Hotel. Wegen dem ganzen „nichts-klappt“ am Morgen sind wir erst um 13.30 Uhr von Edirne losgefahren.

Ankara

Das Fahren in Ankara ist eine Herausforderung. Paris, Nouakchot in Mauretanien, New York und Neapel sind schon Hausnummern. Ankara ist einfach nur gefährlich.

31.05.2022

Auf dem Weg nach Göreme in Kappadokien haben wir noch einen Abstecher nach Hacibektas gemacht. Dort ist ein spirituelles Zentrum der Aleviten.

Der Haci Bektas war ein friedliebender Mann, behauptete, dass man Hirsch und Löwe versöhnen kann, wenn man sich nur intensiv darum bemüht (Kurzfassung)
.Wer aus dem Löwenbrunnen trinkt, wird von allen Krankheiten geheilt, so ähnlich wie vom Wasser aus der Grotte von Lourdes

Dann war es soweit, das erste Zwischenziel in Göreme, Kappadokien erreicht. Bilder von den Felsen gibt es genug, deswegen nur ein paar Beispiele.

Unser Zimmer für die heutige Übernachtung kostete 57 Euro.
Und befindet sich im linken Felsen.

Die Stadt selbst ist voll touristisch orientiert, nachts wie die Reeperbahn. Vor jeder Tür steht jemand, der einen hereinbittet. Restaurant, Andenkenladen oder Ballonfahrten.

Man kann aber auch sehr schnell wahre und echte FREUNDE finden

Man braucht nur verführerisch nach Dürüm duftendes leergefuttertes Einwickelpapier
Mit teetrinkenden älteren Herren kommt man leicht ins Gespräch.

01.06.2022

Heute gibt es wieder eine Verbindungsetappe durch das trostlose Anatolien, wir sind auf Seehöhen bisher zwischen 1000 und 1980 Metern.

Mit einigen interessanten Ausblicken

Erciyes Dagi
Bergdorf, kilometerweit weg vom nächsten …

Feldreparatur 2 an der F650GS, Baujahr 2004

Doris klagt über Vibrationen am Vorderrad. Beim Überprüfen des Luftdrucks, der Radlager und des Lenkkopflagers kann ich nichts ungewöhnliches feststellen. Was nichts heißen muss. Das Profil des Reifens beginnt (nach 8000 km die der Reifen jetzt drauf hat) Fähnchen und Abplattungen auszubilden.

Das Motorrad wird jetzt zu „Erbse“ umgetauft und Doris zu „Prinzessin“

Allerdings ist bei dem ganzen Nachgucken aufgefallen, dass der Halter für die Einstellung der Federvorspannung am hinteren Federbein durchgerostet und abgebrochen ist.

Es folgt die praktikable Russenreparatur in der Türkei: Das beschädigte Teil wird ersatzlos ausgebaut, der Versteller an den Platz des Trägers positioniert und mit der vorhandenen Schraube festgemacht.

So weiter gehts. Wenn es noch zu sehr vibriert, kriegt sie die Regen ☔️ Klamotten untergelegt. Bis zum geplanten Tagesziel am Van-See klappt es natürlich nicht mehr.

Booking dot komm geht nicht mehr in der Türkei. Die hätten Steuern auf ihre Gewinne in der Türkei zahlen sollen. Das machen die Holländer nicht. Ruck-Zuck hat die türkische Regierung den Stecker gezogen und wir nutzen jetzt Expedia und trivago und wie die alle heißen.

02.06.2022

Übernachtet haben wir in einem Hotel in Elazig. Das steht neben einer Moschee mit zwei Minaretttürmen. Mitten in einer Wohngegend von Einheimischen, da brodelt das Leben.An der Rezeption waren sie überrascht, dass meine Kreditkarte gar nicht die Eingabe der Geheimnummer verlangt hatte, die Zahlung aber wäre geleistet worden. Da traut man sich gar nicht zu sagen, dass die PIN erst bei Beträgen über 20 Euro verlangt wird.

Trotzdem hat sich der Rezeptionist extrem ins Zeug gelegt, hat uns zur Tiefgarage geleitet, die im Übernachtungspreis genauso enthalten war wie das Frühstück. Außerdem hat der Mitarbeiter mich zu einem Laden gebracht, wo ich um 22.00 Uhr noch 2 Dosen EFES Bier kaufen konnte. Für umgerechnet 3 Euro für beide.

Blick aus dem Hotelzimmer in Elazig

Direkt neben dem Hotel habe ich mir dann einen neuen Spanngurt konfektionieren lassen, der alte ging gestern flitzen. Obwohl Doris den fliegen sah und ich gleich umgedreht habe, war er weg. Der neue hat 13 türkische Lire gekostet, ungefähr 78 Euro-Cent.

Später auf der Fahrt meldete sich die R1250GS: Ölstand zu niedrig. Die sofortige Kontrolle ergab folgenden Stand

Hätte ich für noch in Ordnung gefunden, also Motorrad aus – Motorrad wieder an -> Fehler weg

Knappe 20 km später wieder: Ölstand zu niedrig, falls er nicht zu niedrig ist , ist der Sensor defekt. Ich hab dann erst mal 200 ml nachgefüllt, seitdem keine Meldung mehr.

Auch noch im Rahmen von „ok“

In der Zwischenzeit hat Doris neue Freundschaften geschlossen, die beiden waren aber auch allerliebst und vor allen Dingen gut erzogen. Sie hatten ein Mordsvergnügen auf dem Motorrad. Mich beeindruckt das immer wieder, wie weltoffen und freundlich die meisten Leute hier sind. Wir werden immer wieder angesprochen wo wir herkommen, wo wir hinwollen, warum wir die Türkei besuchen und kriegen immer wieder Zeichen von Sympathie und Anerkennung. Zusammen mit den günstigen Preisen, beschämt mich das dann auch ein wenig. Wir sind nicht so, dass wir auf erkennbar Fremde oder Touristen zugehen und mit denen reden oder gar Hilfe leisten.

Was uns allerdings auch aufgefallen ist, je weiter man nach Osten kommt, um so mehr stationäre Kontrollstellen, die wie kleine Festungen ausgebaut sind, gibt es. Da stehen gepanzerte Fahrzeuge und Soldaten mit automatischen Waffen. Bei der Vorselektion hat man als Motorradfahrer eine 100%-ige Erfolgschance, als Kontrollobjekt ausgewählt zu werden, man fällt voll ins Suchraster. Im Osten liegt zwar der Iran und die Kurdengebiete, aber es geht einem nach der fünften Kontrolle gehörig auf die Nerven. Manchmal hilft: „Tourist – Alimanya“, dann wird man durchgewunken. Manchmal plustern die sich auch auf, schreien rum, winken andere bei, wollen alle Papiere sehen, die sie noch nie gesehen haben und auch nicht lesen können. Dann darf man auch weiter fahren. Anstrengend ist das aber schon.

Dann der erste Blick auf den Van-See. Nicht der in Berlin, obwohl er genauso ausgesprochen wird.

Wir sind bis zum anderen Ende, bis zur Stadt „Van“, die dem See den Namen gab, 140 km gefahren. Ganz schön groß der türkische „Wannsee“
Das zweite große Zwischenziel ist erreicht, Doris ist zufrieden.

Laut meinem Navi liegt der Van-See ungefähr auf 1650 m Seehöhe,

In Van dann ein kleines Desaster. Wir hatten das „Dosco Hotel“ in Van gebucht. Wir bekamen die Buchungsbestätigung und das Hotel den vereinbarten Preis (mehr als das Doppelte wie in Elazig) Als wir ankamen hatten die kein Zimmer für uns. Das erhaltene Geld wollten sie dann aber lieber doch nicht zurück zahlen, „wenden Sie sich dahin, wo Sie gebucht haben! Expedia sagt übrigens: „wenden Sie sich an das Hotel.“ Doof war dann, dass um 21.00 Uhr die günstigen Hotels alle belegt waren. Noch ein Zimmer zu kriegen ist dann anstrengend und teuer. Ich bin gespannt auf das Frühstück …

03.06.2022

Heute wollen wir das am weitesten östlich liegenden Reiseziel erreichen, den Berg Ararat. Wir wurden darauf hingewiesen, dass der Begriff hier nicht gerne gehört wird und als beleidigend oder zumindest verletzend empfunden wird. Hintergrund ist wohl der historische Zusammenhang mit dem Staatwerden der Türkei aus dem Osmanischen Reich und wer früher dort gesiedelt hat. Offiziell heißt der Berg in der Türkei „Agri Dagi“. Agri heißt die Provinz und Dagi heißt wohl „Berg“. Mit 5137 m schon ein hoher Schichtvulkan.

Vom Hotel aus (das Frühstück bot alles was hier üblich ist, von Pommes, grünen, schwarzen und gelben Oliven, Gurken, Tomaten bis Wassermelone, war aber geschmacklich eher Durchschnitt)

Das Hotel macht von außen schon was her, der Portier trug eine Livree, das Zimmer war ok.

sind wir noch eine Weile an der Uferlinie des Van-Sees entlang gefahren, das sieht stellenweise sehr idyllisch aus. Deswegen wollten wir auch mal direkt ans Wasser. Eigentlich war ja die Idee, mal drin baden zu gehen.

Wer genauer hinsieht ….
… erkennt den Grund für den seltsamen Geruch – Schaum – ich weiß nicht wo der herkam, aber nach was er roch.

Irgendwann der erste Blick auf den Ararat

Das kriegt man mit Bildern gar nicht richtig gezeigt, wie sehr der Vulkan und die Nebenschlote die ganze Landschaft dominieren
Leider war es diesig, und der Gipfel in Wolken
Ich bin sogar bis an die iranische Grenze gefahren, aber die Sicht wurde nicht besser. Rechts der Kegelvulkan ist der „kleine“ Ararat
Hinter dem Zaun blickt man auf den Iran

Obwohl wir bei der ersten Idee für die Reise mit der Möglichkeit, eine kurze Etappe durch Iran (Persien) zu fahren geliebäugelt hatten (wenn man schon mal da ist), haben wir uns dagegen entschieden. Der Aufwand mit Visa (etwas über 400 Euro für uns beide) KfZ-Versicherung für 2 Motorräder, Einreise mit Wartezeiten an der Grenze (heute war die Fahrzeugschlange 4,3 km lang, da wir nicht einreisen wollten, sind wir vorbeigefahren, Foto gemacht und wieder zurück) für 140 km zu viel gewesen. Auch die Anschlussroute durch Armenien wäre nicht so einfach gewesen, seit der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Armenien und Aserbaidschan gibt es im Westen Armeniens eine aserbaidschanische Enklave und im Gegensatz zu Armenien hätten wir dafür auch Visa gebraucht. Also kurz und gut: Brühe teurer wie die Brocken und viel Zeitaufwand für nen Stempel im Pass.

So richtig nah kommt man auch gar nicht mehr an den „Ahrrre Dal“ (so oder so ähnlich wird das ausgesprochen mit gurrendem, rollenden „r“), das ist militärisches Sperrgebiet wegen Terrorgefahr.

Morgen am 04.06.2022 legen wir mal nen Ruhetag ein und schauen uns vielleicht den Ishak-Pascha-Palast in Doğubayazıt an. Das soll ein Palast aus dem 17. Jahrhundert mit Kerker, Harem und Moschee sein.

Wir sind dann erst mal in die Innenstadt von Igdir gegangen. Teilweise erinnert das an die Innenstadtmärkte (Souks) in Marokko.. Auch in Igdir gibt es fast alles, man muss nur wissen wo.

Die verschiedensten Obstsorten gab es überall
Gewürze die betörenden Geruch verbreiteten (wobei ich eines deutlich riechen, aber nicht offen angeboten sehen konnte)
Haushaltsbedarf und Hardware, sogar fertige Kopfgeschirre für Esel
Bekleidung
und Fleisch

Nachmittags konnte ich es aber doch nicht lassen, nochmal aufs Motorrad zu steigen und auf die Nordseite des Berges zu fahren.

Da gibt es einen Streifen Türkei zwischen Armenien und Iran.

Das blaue Dreieck markiert meinen Standort als ich mein Navi fotografiert habe. Der liegt in der Türkei. Oberhalb ist Armenien, unterhalb Iran. Der Streifen Türkei ist da gerade mal 2-3 km breit.

Leider war es noch dunstiger als Tags zuvor, aber ich weiß jetzt wenigstens, von wo ungefähr das aus dem Internet entliehene Beitragsbild gemacht wurde.

Natürlich mit besserem Gerät, besserem Wetter und anderer Jahres- und/oder Tageszeit. Natürlich auch ein besserer Fotograf als ich. Ich hab einfach nur mein Handy genommen.
Blick nach Armenien, von da aus hat der Profi geknipst

05.06.2022

Jetzt beginnt der zweite Teil der Reise, oder die Rückfahrt. Die Kalkstein-Behausungen in Kappadokien und der Berg Ararat sind erreicht, wir haben nach Armenien und in den Iran hinein gekuckt, jetzt geht es wieder nach Westen.

Es ist morgens noch nicht ganz so diesig, deshalb noch ein Abschiedsbild vom beeindruckenden Berg

Und noch eins 😉

Der Vulkan hebt sich über 4000 Meter über das umliegende Gelände empor, das verleiht der Ansicht etwas Erhabenes.

Fast direkt am südlichen Fuß liegt der Ishak-Pascha-Palast. Klingt nach Gerichtsbarkeit vor dem Kadi, Kerker und Harem. Das war wohl auch so. Die Bevölkerung ist stolz darauf und wir wurden ein paar Mal aufgefordert, den unbedingt zu besuchen. Die Anlage ist restauriert und kostet mit 15 türkischen Lira weniger als einen Euro Eintritt.

Weiter geht es durch traumhafte Landschaften Richtung Heimat.

Weite offene Ebenen, enge Schluchten, man könnte hinter jeder Kurve anhalten und Fotos machen. Dann käme man so schnell nirgendwo hin.

Wir haben bei einem Bauern türkischen Honig gekauft, also nicht das beige Zeug, welches einem das sorgsam aufgebaute Dentalkonstrukt in der Mundhöhle mit einem Biss zu einem teuren Resaurationsobjekt macht weil alle Plomben umsortiert werden . Nein richtiger Honig von Bienen, eben aus der Türkei. Also türkischer Honig.

Da hab ich mal richtig gehandelt, Mit Geld zeigen, wieder wegnehmen, mit Händen und Füßen lamentieren (Zähne hatte er nur wenige) „Bio“ und auf Thymian und Rosmarin Pflanze zeigen. Am Ende haben wir uns geeinigt, ich wurde tüchtig über den Tisch gezogen (dreifacher Preis wie Supermarkt für den „bal“), aber Spaß hats gemacht.

Am 06.06.2022 haben wir wieder Strecke gemacht, viel gen Westen gefahren, gut, lecker und sehr preiswert gegessen.

Wie immer begeisternde Landschaften
Mein Teller, später brachte der Wirt noch eine Spezialität auf die er ganz stolz war: eine Art Joghurt aus Pferdemilch.
Alles zusammen 128 türkische Lira, ungefähr 7,50 Euro
Küche und
Warenauslage tip-top

07.06.2022

Heute wollten wir es wieder nach Europa schaffen. Also ging es am schwarzen Meer entlang

Stimmungsbild über dem schwarzen Meer

Wir haben für die Rückreise auf Mautstraßen verzichtet. Anstelle auf Autobahnen aufm Mopped hocken und warten bis man ankommt, wollten wir noch mehr vom Land sehen. Wir hatten auch eine nördlichere Route genommen. Leider war es teilweise so, dass man durch Innenstädte musste, was Doris zu einigem Gelächter veranlasste. Wir haben eine Gegensprechanlage in unseren Helmen eingebaut, über die wir uns unterhalten haben. Möglicherweise waren meine Wortneuschöpfungen für andere Verkehrsteilnehmer doch etwas zu kreativ. Hilft aber, Dampf abzulassen, ohne mit jemandem Krach anzufangen. Außerhalb der Städte sind die Autofahrer im Norden wesentlich weniger aggressiv und mutig.

interessante Gesteinsschichten aus der Entfernung
Beim Näherkommen wahrscheinlich jahrzehntelange Erdreich oder Aushubablagerung.
direkt daneben Felsformationen, die vulkanisch wirken

Irgendwann war es dann spät Abends so weit, die Dardanellen Brücke kam in Sichtweite. Da die aber mautpflichtig ist (50 TL ~ 3 Euro) muss man erst in die Erfassung und 8 km Umweg fahren. Kein Wunder, dass außer uns Touristen, die unbedingt mal da drüberfahren wollten, keine anderen Fahrzeuge waren.

Auf den 08.06.2022 haben wir dann in Gallipoli (schon Europa) übernachtet, in einem alten auf „schnieke“ getrimmten Hotel direkt am Hafen.

Mit direktem Blick auf die Brücke bei Tageslicht.

Die Ausreise aus der Türkei und die Einreise nach Griechenland gestaltete sich problemlos, nach einer dreiviertel Stunde hatten wir es gepackt.

Die Dardanellen und der Bosporus sind ja Meerengen, die das schwarze Meer vom Mittelmeer trennen, natürlich mussten wir auch da unsere Füße reinstecken.

Mittelmeer

Anschließend wurden wir mehrfach überrascht. Danach müsste man die Beziehung zu Griechenland eigentlich resetten und noch mal neu anfangen.

Die Leute die wir getroffen haben, waren alle missmutig, gereizt und aggressiv. Egal ob es die Kassierin im Lidl war wo wir Brötchen, Käse und Salat eingekauft hatten, der gestresste Rentner, der die Tür seines Autos nicht weit genug öffnen konnte, oder der Tankwart, dem wir nicht weit genug und nach 50 cm viel zu weit vorgefahren waren. Die haben alle gleich gegrunzt und sind laut geworden. Kein Vergleich zu den liebenswerten Türken , wenn das so weitergeht, fahren wir nur zum Olymp und verprassen unsere Reichtümer woanders.

Hinzu kommt, dass das Hotel in Griechenland drei mal so teuer ist und fast nicht zu finden war, der Haushund beim Versuch mich in die Daytonas zu beißen gescheitert ist, und dass es aus wolkenlosem Himmel geregnet hat.

Morgen kriegt das Land noch eine Chance … die R1250GS will Inspektion, BMW besteht auf strikter Einhaltung der Intervalle und droht mit Gewährleistungsverweigerung im Schadenfall. Nach Hause sind es noch 2500 km, mit den schon gefahrenen 7300 wären es 10 000 km. Überziehen wird nicht geduldet. Notfalls zu einer BMW Werkstatt im Ausland. Fahr ich morgen hin. Mal sehen ob die helfen, oder auch so unwirsch sind.

09.06.2022

Feldreparatur 3,

Brillenetui der Lesebrille

Isolierband (innen und außen klebrig) mit Plastikfolie beklebt

Die erste und einzige Übernachtung in Griechenland setzte sich nahtlos zum vorhandenen Eindruck fort. Die Unterkunft in Booking ganz toll, aber in Wirklichkeit nicht zu finden. Angesprochene Einheimische ablehnend bis frech. Als wirs im strömenden Regen gefunden hatten, war die erste Ansage, bis wann geräumt werden muss. Kann ich verstehen, wenn man so anders aussieht, als die sonstigen Bewohner.

Blick aus dem Fenster, nachdem Lärm und Geruch aufmerksam gemacht haben.

Das Anwesen lag in der Nähe eines Militär Flugplatzes und die Griechen haben sehr lange Starts und Landungen bei Dunkelheit trainiert. Jets und Hubschrauber.

Die Kette an der F, die zuhause noch in Ordnung war, begann sich schlagartig zu verabschieden. Einen Wechsel zu organisieren, war gar nicht so einfach. BMW Motorrad in Thessaloniki wollte nur eine Endloskette nach Ausbau der Schwinge in einer Woche verbauen, Materialpreis 220 Euro plus Lohn, gab aber den Tip zu einer freien Werkstatt, die auch BMW reparieren. Dort wurde am gleichen Tag die Kette für 190 Euro incl. Teile, Montage, Lohn und Steuern montiert.

Wahrscheinlich war da noch die Original-Kette von 2004 drauf, es war nämlich eine ohne Nietschloss. Damit hätte sie 57 000 km gehalten.

In der Zeit der Reparatur sind wir mit der 1250 zum Olymp gefahren. Der Gipfel war leider in Wolken.

Auf halber Höhe liegt das Kloster des heiligen Dionysios vom Olymp, das zur Zeit mit EU-Mitteln restauriert wird.

Nachdem wir das Motorrad abholen konnten, haben wir Griechenland wieder verlassen, nicht ohne an der Tankstelle noch mal dumm angemacht zu werden. Dort habe ich dann aber meine dunkle, wohlklingende Stimme ertönen lassen. Ich glaube nicht, dass sie es verstanden haben, aber sie hatten verstanden.

Im Norden auf dem Weg nach Nordmazedonien wurde Griechenland aber landschaftlich richtig schön. Da ich aber immer noch beleidigt war, habe ich aus Trotz keine Fotos gemacht.

Bei der Einreise in den EU Beitrittskandidaten, die wegen einem drohenden griechischen Veto den Namen des Landes von Mazedonien zu Nordmazedonien ändern mussten, haben wir mal eine innovative Lösung für Grenzwächter gesehen:

Da fällt keine Technik aus, es wird nicht gestreikt und es gibt eine freiwillig Arbeitszeit von 24 Stunden an 7 Tagen

Macht Krach wie Sau wenn jemand kommt.

Nordmazedonien ist aber dann schlagartig anders als Griechenland. Irgendwie vermittelt es einen ehemaligen, noch immer deutlich spürbaren russischen Einfluss.

Blick aus dem Fenster des wirklich schönen Appartments, in dem wir hier übernachtet haben.

Im Moment machen wir uns Gedanken, ob wir wegen des Wetters nicht die Route abändern und statt der 200 km bis Tirana in Albanien, gleich die 470 km bis Dubrovnik fahren. Wäre ne einfache Entscheidung, wenn wir wüssten, wie der Grenzübertritt von Nordmazedonien nach Albanien und dann Einreise in die EU Kroatien funktioniert. Die ehemaligen kommunistischen Staaten haben da ihre eigenen Prozeduren.

Internet vom Handy aus funktioniert nicht so einfach in Nordmazedonien und Albanien. Also das einfache Buchen einer Unterkunft muss ersetzt werden durch die altmodische „Zimmer frei“-Methode.

10.06.2022

Bei strömendem Regen ging es los ins Land der Skipetaren . Der Grenzübertritt ging entgegen meinen Befürchtungen absolut geschmeidig und problemlos. Kaum Wartezeit und dann fiel die Antwort auf die berühmte Frage: „bin ich etwa schon drin?“ leicht.

Na klar, so einfach ist das

Die Verkehrsregeln wurden deutlich kommuniziert

Auch wenn sich keiner dran hält.

Gleich nach der Grenze hat sich jemand künstlerisch betätigt und zwei alte Türme mit ganz, ganz vielen Marienkäfern 🐞 bemalt.

Die Landschaft entspricht dem Anspruch von Karl May.

Die Stadt heißt Elbastan
Schluchten und magerer Bewuchs sieht man sehr häufig.

Der Grenzübertritt von Albanien nach Montenegro war noch einfacher. Da sitzen Vertreter beider Staaten im gleichen Gebäude, die Büros durch ein Glasfenster verbunden. Man gibt seine Pässe und Fahrzeugpapiere am albanischen Fenster ab, rollt fünf Meter weiter ans montenegrinische Fenster und bekommt seinen Kram dort zurück. Das war’s.

Wir sind nur kurz hinter der Grenze in ein Hotel, mir hat der Tag gelangt. Drei Länder, drei Währungen, drei verschiedene Verkehrsregeln. In Albanien sind wir kleinste Sträßchen gefahren.

kostet Zeit, macht Spaß und Laune

11.06.2022

Dubrovnik, ein weiteres Zwischenziel. Aufgrund der Jahrhunderte langen und der neueren Geschichte gibt es dort mehr sehenswerte Stationen, als man an einem Tag bewältigen kann. Natürlich hat man trotzdem mehr Fotos, als früher auf einen Farbfilm gepasst haben. Man muss also Auswahlen in zweierlei Hinsicht treffen. Was sieht man sich an und welche Fotos übernimmt man für den Beitrag.

Wir haben uns für die Altstadt zu Fuß entschieden und auf eine Bootsfahrt zur vorgelagerten Insel verzichtet.

Außer den mächtigen Verteidigungsanlagen

Den engen Gassen mit den steilen Treppen

Gibt es auch noch die breite Jesuitentreppe, die in der Filmserie Games of Throne bekannt wurde.

Die Treppe der Schande

Die Altstadt ist auch bei reichen Paaren als Lokalität für bombastische Hochzeitsfeierlichkeiten beliebt

Der Hafen hat auch was

Hotels mit klingenden Namen zeugen von vergangenen Zeiten, als man in den 1960 er Jahren begonnen hat, Dubrovnik auf den Tourismus hin zu entwickeln.

Grand Hotel Imperial

Und zum Schluss noch ein Bild in der Abenddämmerung von einer Bucht auf dem Weg von der Altstadt zu unserer Unterkunft.

Wir waren nicht als einzige zu Fuß in der Dunkelheit in Dubrovnik unterwegs

Von Dubrovnik aus ging es dann Richtung Plitvicer Seen

Das ist natürlich nur eine grobe Übersicht und nicht der genaue Streckenverlauf, wobei die Tankstelle, wo wir frischen Saft gebunkert haben eingezeichnet ist. INA steht da, so heißt die Tankstellenkette in Kroatien.

Das Hotel in dem wir übernachtet haben, war früher bestimmt mal was ganz besonderes. Heute ist es günstig, schön gelegen ud wir hatten ein sehr leckeres Abendessen gehabt, das wir beide nicht aufessen konnte. (Passiert mir wirklich nicht sehr oft!)

Die Plitvicer Seen sind bei uns hauptsächlich als Drehorte einiger Szenen der Winnetou-Filme bekannt. Das machen sich dann auch die Hotels und Unterkünfte zunutze, die heißen z.B. Haus Winnetou, oder nach sonstigen Personen und Ereignissen aus den Karl-May-Büchern.

Tatsächlich sind die Seen aber ein Naturschauspiel und seit 1949 der älteste Nationalpark Kroatiens (damals war das noch Jugoslawien) und mittlerweile auch auf der Unesco Liste des Welterbes. Im Park selbst dann kein Wort und kein Hinweis mehr auf Karl May und Winnetou.

Der Eintritt ist recht teuer, mit 40 Euro pro Person eigentlich dicht an Abschöpfen finanzieller Mittel bei Touristen. Es wird aber niemand gezwungen die Seen zu besuchen, so dass man für selbst gewählte Schicksale kein Mitleid verlangen darf.

Schön ist es dafür allemal, man kann sich verschiedene Touren aussuchen, wir entschieden uns für das Besichtigungsprogramm H

Diesen Bildausschnitt habe ich aus der offiziellen Webseite https://np-plitvicka-jezera.hr/de/planen-sie-ihren-besuch/istrazite-jezera/aktivitaten/besichtigungsprogramme-der-seen/ kopiert.

Schön ist es da schon, man kommt mit einem Haufen Fotos wieder, jedes für sich ganz prima, aber halt viele, viele, viele …

Könnte auch am Eiswoog in Ramsen sein
So werden die Wege durch das teilweise sumpfige Gebiet hergestellt, das verhindert auch, dass die Besucher kreuz und quer durch den Nationalpark stromern.
Mal ein Seitenschnitt der kaskadenartigen Seen, das gelbe sind Sinterterassen, manchmal bricht eine ein, dann läuft der See leer. Das Wasser ist glasklar, manchmal hatten wir den Eindruck, die fällen absichtlich ein paar Bäume und schmeißen sie ins Wasser um zu zeigen, wie tief und klar das Wasser ist.
Ist halt alles voll von Menschen, die wie wir den Nationalpark besucht haben.

Insgesamt ein schöner, aber auch anstrengender Tag

Wir sind dann noch ein paar Kilometer gefahren, bevor wir uns eine Unterkunft gesucht hatten

Die Schleife bei Zagreb rührt von einem Missverständnis zwischen Navigationssystemen (Navigator mit Garmin Kartenwerk, BMW-App mit TomTom Kartenwerk) und Fahrer. Da wurden wir auf eine Autobahn geleitet und hätten am Ende der Auffahrt sofort wieder abfahren müssen. Dann wurde man zwangsweise und ohne Erbarmen auf eine kostenpflichtige Strecke gezwungen, von der man so schnell nicht wieder runter kam. Beim zweiten Versuch eine Stunde später hat es dann geklappt. Ich habe neue Worte für die Navis erfunden, die ziemlich gemein zu den Navis und dem kroatischen Autobahnmautsystem waren.

Anschließend ging es dann nur noch nach Hause.

Bei der Backhendlstation wollten wir zuerst übernachten

Ich habe da nach Preisen für eine Übernachtung gefragt. Das sah von außen gar nicht so besonders aus. Eine ganz normale Gaststätte mit Restaurant und Gästezimmern. Ich bekam die Antwort:

Das kostet 69 Euro, wie lange wollt ihr bleiben? Eine Nacht? Dann kommt noch ein Einzelübernachtungszuschlag von 9 Euro dazu, da sind wir bei 78 Euro. Pro Person! Also 156 Euro für eine Übernachtung (immerhin wäre Frühstück dabei gewesen) über einem Hähnchengrill?

Da gehen einem schlagartig alle Klischees und Stereotypen für Österreich durch den Kopf: vom Bergvolk und was sie in ihren Schluchten machen …

Na ja, die wollen auch nur alle überleben, wie ein Tiger in Eschnapur halt, wir sind dann aber noch weiter gefahren bis Lietzen, in ein Automatenhotel.

Das funktioniert so: Man bucht über ein Portal und bekommt eine Buchungsbestätigung mit Buchungsnummer. Im Hotel angekommen gibt man die in einen Automaten ein, legt den Reisepass auf ein Lesegerät und der Kasten spuckt eine codierte Magnetkarte aus mit der man ins Zimmer kommt. Hat auch noch 79 Euro gekostet. Zum Glück waren völlig entnervte Hotelgäste vor uns am Terminal, über deren Bedienfehler konnten wir nicht nur lachen (echt – man kann sich wirklich doof anstellen!) wir haben daraus gelernt, waren unter einer Minute fertig und hielten den „Schlüssel“ in der Hand. Neidische Blicke beantwortete ich mit einem großzügig-arrogant-herablassenden Lächeln und wohlmeinenden Worten des Trostes. Die konnten zwar lesen, haben aber immer was anders gemacht.

Frühstück hätte im danebenliegenden Restaurant 22 Euro pro Person am Buffet gekostet. Auf der anderen Seite des Hotels war aber ein Lidl, deren Angebot war auch so eine Art Buffet, für frisch gebackenes Weißbrot, Käse, 1 Liter Milch, zwei mit Aprikosenmarmelade gefüllte Berliner und zwei Apfeltaschen (waren nicht so gut) haben wir etwas unter 7 Euro bezahlt. also 35 Euro weniger als die von den Dienstleistern angedachte Variante.

Nach „satt“ kam Autobahn, wir wollten dann auch nach Hause.

A 8 und München umfahren, trotzdem einen Stau erwischt.

Der einzige Tag, an dem wir abgekämpft ankamen, auf der ganzen Reise haben wir uns sonst keinen Stress gemacht, war ja Urlaub und wir mussten nie zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein. Trotzdem haben wir die unglaubliche Strecke von 9980,3 km (nach den Kilometerzähler meines Motorrads) zurückgelegt, ganz viel gesehen und erlebt und könnten länger erzählen, als wir unterwegs waren.

Schee war’s, so was machen wir bestimmt noch mal oder vielleicht auch immer wieder, Ideen spuken schon in Hinterköpfen herum …

Das „Ankommen“ oder „Stiefel“ – Bier muss sein, damit die nächste Reise auch unter einem guten Stern steht …

Wer möchte, kann hier einen Kommentar hinterlassen Beitragsseite

  1. Wie immer Hansisch launisch geschrieben. 👍Noch gutes Gelingen für eure Tour und habt Spaß. Gruß Ruthard

  2. Moin. Auch von hier eine gute Reise und bestes Wetter. (Für so ne Tour wäre ich zu vorsichtig, denke ich…)…

  3. Klasse euer Blog. Werde täglich mit euch reisen. Liebe Grüße aus Bad Kreuznach Sonja

  4. Dankeschön, Deine guten Reisewetterewünsche funktionieren. Gestern ( vor den Wünschen) immer wieder Regen, heute ( mit den Wünschen) kein Regen…

  5. Viel Spaß und schöne Eindrücke auf Eurer Reise. Kommt heil und gesund an – aber auch wieder zurück. Ich drücke Euch…

Bridgestone AT41

Anlässlich eines Reifentests von mopedreifen.de im Oktober 2021 in Spanien, bin ich mit meinem eigenen Motorrad angereist. Ich wollte einfach mal die Chance nutzen, den neuen Bridgestone AT41 unter verschärften Bedingungen zu fahren, bei schönem Wetter, auf einer Kartbahn mit kontrollierten Verhältnissen und auf dem Heimweg durch die Pyrenäen.

So sah er aus, als er geliefert wurde, das Hinterrad hat in der Mitte 7,0 mm und an der Flanke 5,4 mm Profil. Das Vorderrad kommt mit 4,5 mm in der Mitte.

frisch geliefert …

Der Bridgestone AT41 sieht auf der GS optisch sehr ansprechend aus, das „offene“ Profil steht dem Motorrad sehr gut .

bei der Anfahrt auf Achse anlässlich einer Pause

Montieren ließ sich das Reifenpaar recht gut. Dabei ist aufgefallen, dass nur wenig Wuchtgewichte nötig waren, das spricht für eine sorgfältige und präzise Fertigung.

Während die anderen Fahrer in den Sprintern Kilometer und Langeweile bekämpfen mussten, hatte ich Spaß. Bis wir ankamen, waren die Reifen eingefahren und die meisten Gummi-Fitzelchen, die entstehen wenn der Reifengummi sich beim „Backen“ in die Entlüftungsöffnungen der Form drückt, waren abgefahren.

Die Unterkunft war wie immer beeindruckend, das Essen reichlich, aber gesund …(mediterrane Ernährung)

… und die Landschaft einfach schön

Jetzt aber zum Bridgestone AT41, der kann nämlich mehr als nur gut aussehen. Auf den ersten Blick denkt man an Gelände- oder Abenteuer.

Dabei hat er es tatsächlich aber faustdick hinter den Ohren. Ich habe fast den Eindruck, dass da mal mindestens ein Tourensport Reifen (mit Schwerpunkt auf Sport) druntersteckt, dem Bridgestone dann ein Profil verpasst hat, welches an Enduro erinnert.

Warum ich das sage? Na, ich hab die GS nämlich mal um die Kartbahn Circuit Móra d’Ebre rum gelassen, konnte dort gefahrlos im Grenzbereich fahren und den Reifen testen.

Eng, kurvig, leichtes Gefälle, zwei Geraden, da kann man jedem Reifen auf den Zahn fühlen
Dieses Bild habe ich aus google maps kopiert.

Was mich einerseits angesichts des Profils angenehm überrascht hat, andererseits aber eine typische Bridgestone Eigenschaft ist, das stabile Fahrverhalten und das präzise Einlenken. Der Reifen läuft immer genau da entlang, wo man hin will, eine anvisierte Linie hält er immer ein und vermittelt alleine dadurch schon viel Vertrauen. In den ganz engen Kurven, in denen ich mit der GS nicht nur das gemacht habe

Krrrrrk, Krrrrrk, schschschschsch 🙂

sondern auch mal in Schräglage in den ABS-Regelbereich bremse (Aufstellmoment, Kurvenverhalten) hat mich der AT41 überzeugt. Der geht nicht weit, zuckt nicht und wenn man die 143 Nm Drehmoment der GS auf den Reifen los lässt, geht es nur nach vorne und nicht zur Seite weg, da gibt es kein „Pumpen“ oder Pendeln, nicht mal ansatzweise. Also Grip hat er auch.

Ich hatte immer den vorgesehenen Luftdruck von 2,5 vorne und 2,9 hinten drauf.

Bei Landstraßenausfahrten, auf Verbindungsetappen auf der Autobahn, im städtischen Bereich …

… überall vermittelt der AT41 das Gefühl, den richtigen Reifen gewählt zu haben.

Irgendwann war der Test dann rum, die Sprinterfahrer sind zuerst weg und ich musste noch abschließen und den Schlüssel abgeben.

Dann ging es auch für mich auf den Heimweg

in den Pyrenäen ist die Landschaft bei Sonnenschein natürlich extrem reizvoll, je höher man kommt, umso mehr merkt man, dass es im November auch in Spanien kühle Temperaturen gibt.

Ich hab dann auch noch einen Stop in Lourdes eingelegt, wenn man schon in der Nähe ist und der Reifen alles mitmacht, kann man auch etwas Kultur mitnehmen und sich was ansehen.

Vom 11. Februar 1858 an soll der vierzehnjährigen Bernadette Soubirous an der Grotte von Massabielle beim Fluss Gave de Pau wiederholt die Mutter Gottes erschienen sein. Während einer dieser Visionen legte Bernadette eine Quelle in der Grotte frei, deren Wasser als heilkräftig gilt (aus Wikipedia)

Nach einer weiteren Übernachtung hab ich dann den schnellsten Weg nach Hause gewählt, nördlich von Lourdes ist Frankreich in Richtung Pfalz relativ flach und ich hab dem AT41 noch 1000 km Autobahn geschenkt.

Montiert hatte ich den Reifen beim Kilometerstand 16 163, jetzt hat die
BMW R1250 GS 19705 km drauf. Bis jetzt ist der Bridgestone AT 41 also 3 542 km gelaufen.

Die Profiltiefe vorne ist jetzt bei 3,7 mm, auf den dreieinhalbtausend Kilometern hab ich also 0,8 mm verbraucht. Hinten sind noch 4,4 mm, da sind also 2,6 mm Gummi auf der Strecke geblieben.

Fazit

Der AT41 ist insgesamt ein richtig guter Reifen, der mehr hält, als er verspricht. Zu der gelungenen Optik kommt ein Sportreifenverhalten dazu, welches gute Rückmeldung mit großem Vertrauen vereint. Der Grip lässt es im Trockenen zu, die GS so tief abzuwinkeln, dass man evtl. vorhandene Knieschleifer zerschraddeln kann. Auch bei kalter Fahrbahn in den Höhenzonen der Pyrenäen zieht er souverän seine Spur.

Wen’s interessiert, es gibt noch ein kurzes Video, der Anfang ist von Bridgestone zugeliefert, ab Sekunde 0:20 dann von mir. Man könnte es auch „Pfälzer und die Deutsche Sprache“ nennen.

Supersportreifen – Test im März 2020 in der Gegend um Valencia

www.mopedreifen.de hat wieder Reifen getestet und ich war auch dabei, um die neuen Supersport-Reifen auszuprobieren.


Mit Blick auf zu erwartende Temperaturen ging es mit 5 Triumph Speedtriple 1050 RS nach Spanien.

Dabei waren der Continental SportAttack 4

… der Metzeler Sportec M 9 RR

der Bridgestone Battlax S22

der Michelin Power GP

und der Michelin Power 5

Nachdem die Reifen vermessen und auf den Luftdruck von 2,5 bar vorne und
2,7 bar hinten eingestellt wurden, haben die fünf Triump SpeedTriple 1050 RS das gleichen Fahrwerks-Setup gekriegt.

Die nächsten drei Tage sind wir Landstraße gefahren mit einigen autobahnähnlichen Abschnitten und haben tapfer unsere Bewertungsbögen ausgefüllt.

Anschließend waren wir auf einer großen Kartbahn, als Rennstrecke eher ein Micky-Maus-Kurs aber ausreichend um Eigenschaften wie Einlenken, Aufstellen, Grip beim „Rausfeuern“ aus Kurven, Stabilität beim Bremsen bei den verschiedenen Reifen miteinander vergleichen zu können.

Nun aber mal zu den Reifen im Einzelnen:

Continental SportAttack 4

Der Conti SA4 ist ein ziemlich störrischer Reifen, das bessert sich auch nicht, wenn er auf Temperatur kommt. Entgegen der Werbung des Herstellers braucht er etwas. Dann ist er zunächst unhandlich, lenkt nur widerstrebend ein, rollt extrem straff ab und ist einfach unkomfortabel. Seine Kurvenlinie muss man sehr genau planen, wer in der Kurve an die Vorderradbremse kommt, muss mit schlagartigem und heftigem Aufstellen rechnen. Tut man das nicht, ist die Linie dahin und man erschrickt die ersten paar Male. Wird die Fahrt flotter (eine gewisse Gleichgültigkeit zum Erhalt des Führerscheins ist da schon nötig) beginnt der Conti allerdings besser zu funktionieren. Er muss mit Kraft von einer Schräglage in die andere bewegt werden, aber man gewöhnt sich recht schnell daran und kann dann auch präzise lenken. Wenn man auf der Bremse einlenkt, gibt es auch kein schlagartiges Aufstellen mehr, dafür vermittelt der CSA4 dann sehr viel Vertrauen in den Grip, so als ob er mit der Faust in den Asphalt packt. Nach einer wilden Fahrt hat man dann schon so ein bisschen das Gefühl „Ich habe Feuer gemacht!“

Steigt man dann auf ein Motorrad mit einem anderen Reifen um, ist der erste Gedanke allerdings: „Ach, so einfach kann das gehen?!“

Leider kam der Conti mit dem Standard-Setup nicht zurecht und begann in den Kurven „weit“ zu gehen und vermittelte kein sicheres Gefühl mehr. Auf dem Bild hatte das Hinterrad, mit einem Testtag weniger als die anderen Reifen, deutlich gelitten

Hinterrad Vorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang5,5 mm4,2 mm 4,1 mm3,5 mm
Ende4,6 mm3,8 mm3,9 mm3,2 mm
Verlust0.9 mm0,5 mm0,2 mm0,3 mm

Metzeler Sportec M 9 RR

Der M9 lässt sich spielerisch bewegen und folgt dem Befehl des Fahrers absolut exakt. Dabei genügen kleinste Bewegungen oder Impulse. Wenn mir eine Hummel gegen den Arm geflogen ist, war der Reifen schon am Abbiegen. Dabei lässt sich der Reifen auch bei extremeren Fahrmanövern und Richtungswechseln nicht aus der Ruhe bringen und macht einfach, was der Fahrer vorgibt. Für mich ist das immer eine Herausforderung, man muss ständig 100 % konzentriert sein. Die Eigendämpfung ist wirklich gut, mit dem vorgeschriebenen Luftdruck rollt er auch sehr komfortabel ab. Die Aufstellneigung ist gering, was mir aber nicht so gefällt, ist die im Vergleich mit den anderen Reifen geringe Bremsstabilität aus hohen Geschwindigkeiten. Bei 130 km/h den Anker werfen, quittiert das gesamte Motorrad mit beginnendem Schlingern, das Hinterrad läuft nicht mehr sauber nach. Möglicherweise könnte man mit Fahrwerkseinstellungen noch etwas rausholen, aber die Motorräder waren alle gleich eingestellt und die anderen Reifen haben das nicht gemacht.

Hinterrad
Vorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang5,5 mm3,5 mm4,0 mm3,0 mm
Ende4,3 mm3,0 mm3,6 mm2,8 mm
Verlust1,2 mm0,5 mm0,4 mm0,2 mm

Bridgestone Battlax S22

Da gibt es nicht viel zu berichten. Präzise beim Einlenken, stabil auf der Bremse, sehr handlich und trotzdem tolle Rückmeldung die großes Vertrauen vermittelt. Geringes Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage, lässt sich auf der Bremse aber immer noch gut lenken und korrigieren. Ein Klasse Reifen, der mir sehr gut gefallen hat. Auf dem Kringel hab ich mit diesem Reifen mit die schnellsten Runden bei den Supersportreifen gefahren.

Hinterrad Vorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang5,5 mm3,5 mm4,0 mm3,7 mm
Ende4,6 mm3,2 mm3,5 mm3,3 mm
Verlust0,9 mm0,3 mm0,5 mm0,4 mm

Michelin Power 5

Wer Wert auf Optik legt, hat bei diesem Kriterium mit dem Power 5 bestimmt viel Spaß. Das Golfballdesign auf den Außenkanten war zwar am Ende des Vergleichs Geschichte, sah davor aber schon toll aus. Der Reifen performt insgesamt auf hohem Niveau, also ganz egal wo und wie wir unterwegs waren, das mit dem Power 5 bereifte Motorrad blieb mit keinem Fahrer zurück, auch wenn wir es mal etwas laufen ließen. Auf dem Track wurde das Heck beim Angasen aus Schräglage etwas weicher als bei den anderen Reifen. Obwohl Michelin den nicht als Reifen für Rennstreckentrainings vorsieht, vom Profilbild sah er nach dem Track sehr gut, eigentlich fast unbeeindruckt aus. Insgesamt hat er in allen Kriterien immer fleißig Punkte gesammelt und sich nirgends Schwächen geleistet. Bei einer anderen Gelegenheit hatte ich schon die Möglichkeit, den Power 5 im Nassen zu fahren., da hat er eine deutliche Duftmarke gesetzt. Das wäre jetzt aber unfair den anderen Reifen gegenüber davon detailliert zu berichten, die hatten bei diesem Vergleich nicht die Möglichkeit, sich in dem Kriterium darzustellen.

HinterradVorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang
Ende4,6 mm3,2 mm3,5 mm3,3 mm
Verlust


Wenn man keinen Anfangswert hat, kann man natürlich nicht vergleichen … wobei der Power 5 in dem Kriterium wahrscheinlich richtig gut abschneidet, hat er doch knapp 1000 km mehr auf dem Buckel, als die anderen Reifen, die alle neu waren. Dieser Power5 hier war schon in der Geschichte unter dem Link oben dabei..

Michelin Power GP

Mein persönlicher Testsieger vor dem Bridgestone S22. Dessen Qualitäten erreicht er locker, fühlt sich für mich aber noch ein klitzekleines bisschen „geschmatziger“ an. Sowohl auf der Landstraße als auch auf dem Track lässt der Power GP nie einen Zweifel daran, wo man gerade ist und was noch alles geht. Diese Pelle schaufelt immer großes Vertrauen nach oben zum Fahrer. Mit dem Reifen hab ich die gleichen Rundenzeiten wie mit dem Bridgestone geschafft, mich dabei aber wie schon dargelegt, immer etwas „aufgehobener“ gefühlt, es ist mir mit dem GP einfach leichter gefallen, obwohl der Bridgestone etwas handlicher ist, was man aber nur im direkten Vergleich feststellt.

HinterradVorderrad
MitteAußenMitteAußen
Anfang5,0 mm5,0 mm3,8 mm3,0 mm
Ende4,0 mm4,6 mm3,6 mm2,8 mm
Verlust1,0 mm0,4 mm0,2 mm0,2 mm

Daten

Natürlich sind wir nicht nur so zum Spaß rungerollert, wir haben Daten erhoben gemessen, verglichen und bewertet. Neben den Profiltiefen haben wir auch Reifentemperaturen gemessen, zuerst in kaltem Zustand, dann ist der gleiche Fahrer 3 Runden gefahren, eine Aufwärmrunde, dann eine voll und die letzte auch voll bis zur Ausfahrt zur Boxengasse. Wir wollten einfach wissen, welcher Reifen sich am schnellsten aufwärmt und ob die Reifen nach knapp 4, 5 km (eine Runde des Kartodromo Lucas Guerrero misst 1 428 m) schon in einem brauchbaren Temperaturfenster sind. Das waren sie dann auch alle. Vorne legten sie in der Mitte zwischen 13 und 14 Grad zu und außen ungefähr 27 Grad mit Abweichungen von höchstens 2 – 3 C°. Die Hinterräder waren in der Mitte meist 5 Grad wärmer als die vorderen, außen ähnliche Temperaturen wie die Vorderräder.

Nach einem 10-Runden Turn hatten dann alle Reifen am Hinterrad außen 65 Grad, da gabs dann nur noch Unterschiede innerhalb eines Grades, was auch Messtoleranzen sein können.

Das zusammengefasste Ergebnis gibt es bei http://www.mopedreifen.de 

derzeit unter https://www.mopedreifen.de/News/Sportreifen-Vergleich

Wir haben auch noch Hypersport-Reifen getestet:

  • Michelin Power Cup 2
  • Continental Race Attack 2 Street
  • Pirelli Diablo Supercorsa SP
  • Dunlop Sportmax Racer D 212 (vorne Medium, hinten Endurance)

Da gab es auch Ergebnisse, mit denen wir nicht von vorneherein gerechnet haben. Dazu mach ich aber eine eigene Seite. Eins nur vorab, nachdem der Conti SportAttack4 nicht so überzeugt hat, mit dem RaceAttack2 hat Conti es wesentlich besser gemacht, den fand ich in dem Segment am coolsten.

Michelin Anakee Adventure Experiment jetzt beendet

Anfang Sommer 2019 habe ich einem Bekannten einen Satz neue Reifen auf seine funkelnigelnagelneue BMW R1250 GS Adventure montiert. Er hatte sich von dem Hype in den Foren für den Conti Reifen anstecken lassen und war der Meinung, dass er mit der allseits besungenen Pelle ein besseres Fahrerlebnis hätte.

Runter kam der Michelin Anakee Adventure, der sah aber trotz einer vorhergehenden Reise durch Schottland mit fast 5000 Kilometern, eigentlich noch ganz gut aus.

Also habe ich ihn kurzerhand auf meine 2018er R1200 GS (ohne Adventure) montiert und fahre jetzt mal halb um die Ostsee damit, einfach immer am Wasser entlang, bis nach St. Petersburg, dann nach Moskau und von dort wieder nach Hause.

So ungefähr die Planung, das sind ca. 3500 km bis in die russische Hauptstadt, von dort schätze ich noch mal 2500 zurück. Ich möchte Weißrussland umfahren, eigentlich muss ich das, ich habe das für dieses Land erforderliche Visum nicht.

Visa für Russland haben wir, ein teurer Spaß, für meine Frau und mich für zweimalige Einreise haben wir zusammen 194 Euro bezahlt, dassind allerdings nicht nur die Gebühren für das russische Konsulat, sondern der Visadienst hat auch verdient.

und so sieht der Schottlanderprobte Michelin Anakee Adventure aus

Da sind vorne wie hinten noch ca. 4 mm Gummi zur Verfügung, wie man sieht, wurde dieser Satz auch von kundiger Hand geführt. Neu hat der Adventure vorne fast 5 mm und hinten 7 mm Gummi.

Es könnte also funktionieren, morgen gehts los ! Mal sehen, ob ich das von unterwegs mit dem Handy einigermaßen aktuell halten kann …

Update 12.August 2019, Lübeck und Schwerin

So, schon haben wir die erste ungeplante Abweichung. An der F 650 GS Twin meiner Frau läuft Motoröl aus.

Wämetauscher Kühlwasser/Motoröl und Dichtung der Ölwanne.

Wir wissen nicht genau, wo es herkommt und was es ist. Wir sehen das Öl, wischen es ab, aber wenn das Motorrad steht, läuft kein Öl, auch nicht bei laufendem Motor. Wenn wir fahren, verteilt der Fahrtwind das nach Inspektion noch helle Öl so wie auf dem Bild überall hin.

Also im Internet mach BMW- Händlern gesucht. Von Lübeck aus Richtung Osten gibt es nur noch Möller und Söhne in Schwerin. Die Mitarbeiter dort haben festgestellt, dass es sich um die Dichtung zwischen Wärmetauscher und Motorgehäuse handelt, an der die Plörre raus sifft, mittlerweile so massiv, dass der linke Stiefel der Pilotin in der näxten Zeit garantiert auch ohne Gore absolut wasserdicht ist.

Leider Gottes hat Öl auf dem Hinterreifen eine andere Wirkung.

Wir haben ein Motel in der Landeshauptstadt von MeckPomm genommen und uns die Stadt angesehen. Nicht schlecht für Dunkel-Deutschland.

Schloss und jetzt Landtag.

Wäre es tatsächlich nur die Dichtung für um die 10 Euro gewesen, hätte die Rechnung knapp 50 Euro betragen. Leider hat sich bei der Demontage herausgestellt, dass auch der Wämetauscher gewechselt werden muss. Also auch noch ein neuer Wämetauscher. Mal sehen, ob’s das war mit unerwünschten Ereignissen.

Update 13.08.2019

Leider ist es nicht gelungen, den neuen Wämetauscher abzudichten, die F650 GS ist nicht mehr fahrbereit.

Also hat der Michelin Anakee Adventure jetzt die ganze Last alleine zu schleppen. Es gab sogar nen Zuschlag von nem ganzen Zentner, soviel wiegt meine zierliche Frau in voller Ausrüstung mit Motorradklamotten. Den Tankrucksack der F haben wir oben auf einen der Alukoffer der R1200 GS geschnallt. Selbstverständlich wurde der Luftdruck auf 2,5 vorne und 2,9 hinten angehoben, auch wenn ich bisher bei Alleinfahrt 2,3 und 2,7 als komfortabler empfunden habe.

Wir setzen die Reise auf einem Motorrad fort, die Visa sind bezahlt, die lassen wir nicht verfallen. Wir haben Schwerin verlassen und sind noch bis Graal-Müritz gefahren, hab ich bisher noch nie gehört, scheint aber ein bekannter Urlaubsort zu sein. Die Privatvermieter sind sehr selbstbewusst und nehmen keine Gäste für 1 Übernachtung auf. Originalton: Da haben wir genausoviel Arbeit, wie bei einer 8-tägigen Vermietung, außerdem sind wir belegt, ich wollte gerade das Schild „Zimmer frei“ reinholen. Die Ferien sind aber vorbei, vielleicht woanders“

Nun, es hat woanders geklappt, zu ebenfalls selbstbewussten Preisen.

14. August 2019, Miedzywodzie, Polen

Den Michelin geht es gut:

Noch kein Anlass zur Sorge.

Heute haben wir das erste Mal für die Tour die Ostsee gesehen

In Swinemünde haben wirdie kostenlose Fähre benutzt und eine vage Idee, was es mit dem Namen so auf sich haben könnte.

die laufen bettelnd an den auf die Fähre wartenden Fahrzeugen vorbei

21.08.2019 erstes großes Zwischenziel erreicht.

Vorgestern sind wir in St. Petersburg angekommen, Früher Leningrad, jetzt eine lebendige, pulsierende Weltstadt mit viel eigenem Flair. Die Reifen sehen besser aus, als ich erhofft hatte.

St. Petersburg hat natürlich viele Sehenswürdigkeiten, die Eremitage, das ist das Stadtschloss der Zaren gewesen, oder das Faberge‘-Museum. Mit Peterhof und Katharinenpalast gab es auch noch ein paar Liegenschaften „etwas außerhalb“. Eines haben sie aber gemeinsam: Die können ganz schön auf den Putz hauen, was Prunk und Protz angeht.

Vergoldete Dächer am Katharinenpalast in Puschkin, in dem sich das wieder angefertigte Bernsteinzimmer befindet.


nur ein Ausschnitt vom Nebenzimmer aus mit viel Zoom fotografiert, im Bernsteinzimmer selbst ist das Fotografieren streng verboten

Etwas Kultur gab’s dann noch in der Eremitage mit Werken bekannter Küstler wie Raphael, Tizian oder Leonardo da Vinci. Das Thema „Jungfrau mit dem Kinde“ war wohl sehr beliebt.

Interessanterweise hängen die kaum geschützt an den Wänden, bestenfalls „bewacht“ von Mitarbeiterinnen, die oft gegen den Schlaf kämpfen, manchmal aber auch „ihre“ Kunstwerke mit Zähnen und Klauen verteidigen würden.

Im Fabergé – Museum sieht das ganz anders aus, da gibt’s Schutztechnik wie in James-Bond-Filmen und jede Menge Muskelberge in Anzügen, die aufpassen. Trotzdem hat mich das sehr beeindruckt und am liebsten würde ich Fotos von allen Eiern zeigen, die sind schon geil …

Das nächste große Reiseziel nach einer 750 km Fahrt war Moskau , eine völlig andere Stadt als St. Petersburg, beide haben Hauptstadtflair, wobei St. Petersburg eher etwas königliches vermittelt und Moskau stark von Stalin geprägt ist.

Kosmonautenmuseum
Auf dieser Brücke ist Matthias Rust gelandet, nicht auf dem „RotenPlatz“ direkt.

Genug der Bilder von Moskau, eigentlich geht es ja um den Michelin Anakee Adventure und die Frage, ob der durchhält.

Keine Hinweise auf Schwäche

Wir hatten ein Hotel gefunden, welches relativ nah zum Kreml und anderen Sehenswürdigkeiten lag. Die GS steht auf dem Bild im bewachten und mit einer Schranke gesicherten Hof des Hotels, direkt davor war eine Bushaltestelle und 100 m weg war die Metro-Station Kitay-Gorod mit den Linien 6 und 7. Das Metro-System ist sehr einfach wie ein Stern mit Ringen gehalten, man kommt mit maximal 2 mal umsteigen überall hin. Eine 24 Stunden Karte kostet ca. 3 Euro und kann am Gültigkeitstag unbegrenzt oft für Metro, Busse und Straßenbahnen benutzt werden.

Nach 4 Tagen voller Spaß, Erlebnissen und nächtlichen Spaziergängen an der Moskwa entlang, ging’s dann wieder Richtung Deutschland.

In Dresden haben wir noch mal übernachtet, da haben die Sachsen dem Erfinder der übelsten GS-Felgen ein Denkmal gesetzt.

Zuhause angekommen, zeigte der Kilometerzähler dann 42 373 km an, die Tour war also ungefähr 6 500 km lang.

Man sieht deutlich, der Reifen lebt noch. Er ist zwar sichtlich mitgenommen, das hohe Gewicht auf der langen Strecke hat zu mehr Verschleiß in der Mitte als an den Flanken geführt.

Noch mal zusammengefasst:

Der Reifen hatte beim Vorgänger auf dessen Schottlandtour schon eine Laufleistung von 4780 km , das ist der genaue Kilometerstand seines Motorrads, den ich bei der Demontage des Reifens notiert hatte. Auf meinem Motorrad war der Reifen von 35046 bis 42373 montiert. Diese 7327 km zu den 4780 addiert, ergeben eine bisherige Laufleistung von
12 107 km.

Zu den Profiltiefen:

Als ich den Reifen montiert hatte, habe ich noch folgende Werte gemessen:

Vorderrad in der Mitte: 4,0 mm
Vorderrad außen: 3,5 mm

Hinterrad in der Mitte: 4,0 mm
Hinterrad außen: 4,5 mm

Nach der Tour waren es hinten in der Mitte noch 2,6 mm und vorne 3,1 mm

Eigentlich wollte ich den Reifen ja bis auf’s Gewebe fahren, aber die letzten Millimeter sind bei diesem Reifen wohl die ergiebigsten, ich habe es nicht geschafft.

Momentan habe ich wieder den Michelin Road 5 Trail montiert, aber ich glaube, ich hab noch ne blöde Idee! Wär doch gelacht, wenn ich einfach so auf die letzten Millimeter verzichten und aufgeben würde … eigentlich wollte ich ja herausfinden, was passiert, wenn man ne wirklich lange Tour macht, wie weit läuft der Anakee Adventure mit den „letzten Millimetern“? Ab wann muss ich mir Gedanken machen? Gibt es eine Grenze, ab der sich der Reifen auf einmal ganz schnell verzehrt?

Nun ich bin sicher, ich werde das heraus finden!

Weiterführung / Ergänzung / Nachtrag im November 2020

Ich hab mich jetzt dazu aufgerafft, die R1200GS Exclusive musste einer S1000XR weichen und die ging für eine R1250GS Exclusive.

Beim Kilometerstand 6183 bei der ganz schwarzen 12einhalber Exclusive (brommt wie ein Bär) hab ich die Erstausrüstungsreifen Michelin Anakee Adventure runtergenommen und den Moskaureifen wieder montiert. Es ist Winter, auf den schönen Strecken zu meiner Arbeitsstelle liegt nasses Laub, man muss langsam machen und die kürzeste Verbindung zwischen Feierabend und Couch ist dann die Autobahn die wie eine gerade Linie von A nach B führt. Das ist also eigentlich eine Möglichkeit, dem Reifen auf den Zahn zu fühlen, ob die letzten Kilometer wirklich die ergiebigsten sind. So richtig schön sieht er nach dem Geradeausfahren nicht mehr aus und die ersten paar Kilometer hat er sich wegen der eingefahrenen Kanten auch ungewohnt gefahren. Wenn man über die Kante drüber war, bietet er in Schräglage den vollen Grip bis an die Rasten, auch oder obwohl die Temperaturen jetzt meistens einstellig sind. Eins muss ich aber noch sagen: Bei Schnee und Eis fahre ich nicht mehr mit dem Motorrad los und wenn die Wettervorhersage das prognostiziert auch nicht. Nur kalt oder nur nass schreckt mich nicht.

Also mal sehen, wieviele Kilometer zu den bisherigen 12tausend noch dazu kommen …

So ein Ablaufbild muss man erst mal hinkriegen, für die Autobahn aber noch mehr als ausreichend, es geht mir ja hauptsächlich um die Laufleistung. Die ersten 500 km sind schon wieder gefahren.

Testende 15.05.2021

km-Stand der R1250 GS beim letzten Montieren 6183 km
km-Stand der R1250 GS beim letzten Demontieren 8185 km

ergibt weitere 2 002 km

Diese zur bisherigen Laufeistung von 12 107 km hinzugerechnet ergibt die immense Laufleistung von 14 119 km.

Bevor nun geunkt wird ich würde nur bummeln, den Satz Michelin Anakee Adventure der beim Kauf drauf war, habe ich in der oben angegebenen Laufleistung von 6183 km restlos verbraucht. Man kann also durchaus Spaß haben und es laufen lassen, dann verzehrt er sich eben etwas schneller.

Man kann aber auch sehr lange Touren damit machen wie ans Nordkap oder nach Russland und zurück, ohne Angst haben zu müssen, dass einem unterwegs das Gummi ausgeht.

Hinterrad
Vorderrad

Fazit

Der Michelin Anakee Adventure ist ein sehr vielseitiger Reifen. Zum einen bietet er eine gewisse Adventure Optik, zum anderen sehr ausgewogene Eigenschaften. Man kann den Reifen im Alltag für alles brauchen, zum Touren oder in Urlaub fahren und auch den täglichen Weg zur Arbeit. Wenn’s mal etwas flotter gehen soll, dann kann er das auch, ohne ein ausgewiesener Sportreifen zu sein. Das ein oder andere Mal erträgt er aber.

Er lenkt im Trockenen und Nassen sauber ein und setzt Lenkbefehle willig um. Dabei ist er insgesamt sehr gutmütig, man kann immer korrigieren wenn man sich mal verschätzt hat oder die Situation es erfordert.

Ich halte die Pelle für einen guten Universalisten, der wie die R 1200 / 1250 GS einen großen Einsatzbereich abdeckt und für jeden Spaß zu haben ist. Laufleistung kann er, Regen sowieso und auch im Trockenen wird der erfahrene Fahrer nichts vermissen.

Bridgestone AX41

Montiert habe ich den Satz Reifen am 27.03.2019 bei Kilometerstand 26 872.

Für die Datenbegeisterten: 
Hinterrad:

Das Hinterrad hat 28 Reihen Profilblöcke, je 14 mit 3 breiten und 14 mit 5 schmäleren Blöcken, die Profiltiefe beträgt 10 mm, also ein ganzer Zentimeter, der Abstand der Reihen zueinander beträgt zwischen 27 und 30 mm. Die Breite des Hinterrads betrug montiert und mit 2,9 bar befüllt 169 mm.

Vorderrad:

Das Vorderrad hat 42 Reihen Profilblöcke, je 21 mit 3 Blöcken und 21 mit 5 Blöcken. Die Profiltiefe beträgt im Neuzustand 8 mm, der Abstand der Stollenreihen am Vorderrad zur nächsten Reihe  beträgt zwischen 23 und 24 mm. Die Breite des Vorderrads war 118 mm bei 2,5 bar.

Wie fährt sich der Bridgestone AX 41

Ich habe den Reifen mit dem Luftdruck den BMW vorgibt gefahren, also 2,5 bar vorne und 2,9 bar hinten. Ich habe den Luftdruck auch im Gelände nicht abgesenkt. War auch nicht nötig, der hat auch vollgepumpt schön gegriffen.

Zuerst muss man noch mal darauf hinweisen, dass der AX41 ein Stollenreifen ist. Das bedeutet, dass er sich anders fährt als ein Straßenreifen. Vor allem bei Richtungsänderungen muss man sich bewusst sein, dass sich der Lenker im Stand und bei langsamen Geschwindigkeiten nicht mehr so einfach von links nach rechts drehen lässt, dafür aber das Motorrad sehr leicht in Schräglage zu bringen ist. Das gilt für alle Stollenreifen und ist nicht spezifisch für diesen Reifen.

Was für den AX 41 aber modellspezifisch ist, ist das er von allen Mitbewerbern die es in den Größen für die BMW R1200 GS gibt, der deutlich am geländelastigsten ausgelegte ist. Das sieht man am Profil, während der AX 41 auf eine 3 – 5 Verteilung der Profilklötze mit entsprechendem Negativanteil setzt, haben der Continental TKC80 und der Michelin Anakee Wild sowohl am Hinter-, als auch am Vorderrad eine 4 – 5 Aufteilung und weniger Negativanteil. Der Metzeler Karoo 3 hat eine meiner Meinung nach völlig andere Idee von einem Geländereifen.

Wie so oft sind die Reifeneigenschaften wie ein Tischtuch, zieht man an einem Ende, wird es am anderen Ende etwas weniger.

Beim AX41 wirkt sich das auf das Komfort-Empfinden auf der Straße aus, da braucht er eine gewisse Einfahrphase bis die allerschärfsten Kanten des Profils (so wie er aus der Form kommt) etwas angefahren sind, vielleicht ist auch ein bisschen Eingewöhnungsphase für den Fahrer notwendig.

Dafür macht er abseits befestigter Straßen richtig Laune! Ich habe das große Glück in einem ländlich geprägten Bereich zu wohnen, wo viele Feldwege noch nicht gesperrt sind und habe mir im Laufe der Jahre auch ein Stückchen Wald gekauft (zum Feuerholz machen) wo ich fahren kann. Zu allem Überfluss gibt es auch Bauern mit denen ich reden konnte und die Erlaubnis habe „mal“ zu fahren, sofern ich in der beginnenden Vegetationsphase nicht alles umgrabe.

Ich habe ein paar Handy-Aufnahmen mit Windows bordeigenen Mitteln zusammengeschnitten.

Ich weiß, so richtig professionell ist das nicht, aber es hat Spaß gemacht. Zuerst bin ich in den eigenen Wald gefahren und habe dort das Motorrad bis zur Achse „eingegraben“, ich hatte einen Strick angebunden damit es nicht vorwärts kam, mit der Integralbremse hätte ich es nicht so einfach hingekriegt. Trotzdem hat sich der Reifen wieder aus dem Loch herausgeschaufelt. Was mir dabei gut gefallen hat, war wie der Reifen sich aufgrund der Form der Profilklötze freigeworfen hat.

Anschließend ging es über nasse Wiese, man sieht das nassschwarze Gummi des Reifens, danach einen steilen Fußweg hinter unserem Haus den Berg hoch und noch zwei Kurven auf der Straße.

Insgesamt ist er auf Augenhöhe mit seinen Wettbewerbern mit deutlichem Schwerpunkt auf „Abseits der Straße“, gefällt aber auch auf geteerten Straßen.

Ich bin mir noch nicht sicher, wie das mit der Laufleistung ausgeht. Ich habe jetzt 2600 km runter und hinten schon deutlich weniger Profil als ein Neureifen. Wenn man das hochrechnet, sind wie bei den Mitbewerbern ca. 5000 km drin.

Ich habe den AX41 jetzt nicht geschont, bin auch mal auf der Autobahn ne viertel Stunde schneller als die zulässigen 160 km/h gefahren, die Klötzchen sind aber hinten und vorne noch alle dran.

Insgesamt eine Geschichte, die mir sehr viel Spaß gemacht hat, ich ertappe mich momentan dabei, immer öfter ganz genau und viel mehr als bisher auf die Einfahrten zu Waldwegen zu achten, ob da das doofe runde Schild mit dem roten Rand steht oder nicht. Wenn man dann dort Spaziergänger mit und ohne Hund oder Reiter sieht, muss man natürlich langsam machen und auch so manches entrüstete Gesicht hinnehmen, wenn’s aber nicht verboten ist, ist’s auch für Motorräder erlaubt, die Gelegenheiten sind leider schon eingeschränkt. Also der AX41 macht dabei locker mit und vor allem abseits befestigter Wege Spaß. Mir hat er wieder mehr Lust auf das „G“ in der Modellbezeichnung gemacht. Trockenen Schotter kann auch der A41 (ohne „X“) aus dem gleichen Haus ziemlich gut, aber richtig querfeldein bei ordentlichem Endurowandern ist natürlich ne Sache für ne gut funktionierende Stolle. So eine hat Bridgestone mit dem AX41 jetzt auch für die große GS im Programm.

Nachtrag: Ende Mai habe ich den AX41 beim Kilometerstand von 32 922 demontiert.

Montiert hatte ich bei km-Stand 26 872. Also eine Laufleistung von 6050 km. Für einen Stollenreifen sehr ordentlich!

Mit soviel Rest Gummi ist die gesetzliche Mindesttiefe natürlich bei weitem noch nicht erreicht und man könnte auf der Straße noch viele Kilometer fahren, für den Einsatz als Ackergraber ist das allerdings nicht mehr ausreichend. Selbst in diesem Zustand hätte der Reifen auf festgefahrenen Feldwegen und Schotter durchaus noch seine Vorteile (Durchschlagsicherheit, Spurführung vorne) gegenüber reinen Straßenreifen.

Zum Thema Zulässigkeit des Reifens mit dem Speedindex „Q“ auf der R 1200 GS:

Zum einen ist in meinem CoC die Größe eingetragen:

zum anderen ist das für alle Motorräder erlaubt, die nach EU-Recht zugelassen sind.

Derzeit gilt die „Verordnung (EU) Nr. 168/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Januar 2013 über die Genehmigung und Marktüberwachung von zwei- oder dreirädrigen und vierrädrigen Fahrzeugen“ , ich setze mal einen Link zur Datenbank der EU für ihre Rechtssätze

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/de/TXT/?uri=CELEX:32013R0168

Aufgrund dieser Verordnung wurden viele der bisher für die Zulassung von Motorrädern geltenden Verordnungen aufgehoben und die „Delegierte Verordnung (EU) Nr. 3/2014 der Kommission vom 24. Oktober 2013 zur Ergänzung der Verordnung (EU) Nr. 168/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich der Anforderungen an die funktionale Sicherheit von Fahrzeugen für die Genehmigung von zwei- oder dreirädrigen und vierrädrigen Fahrzeugen“ erlassen.

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A32014R0003

Wichtig für die Frage der Zulässigkeit der Reifen ist die Anlage XV (oder einfach 15) und dort die Ziffer

4.2.2.   im Falle von Fahrzeugen, die üblicherweise mit Normalreifen ausgerüstet sind und gelegentlich mit M+S-Reifen ausgestattet werden, wobei in diesem Fall das Symbol für die Geschwindigkeitskategorie der M+S-Reifen einer Geschwindigkeit entsprechen muss, die entweder höher ist als die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs oder nicht niedriger als 130 km/h (oder beides). Ist jedoch die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs höher als die dem Symbol für die niedrigste Geschwindigkeitskategorie der montierten M+S-Reifen entsprechende Geschwindigkeit, muss im Fahrzeuginnern an auffallender Stelle oder, falls kein Fahrzeuginnenraum vorhanden ist, so nahe wie möglich am Kombi-Instrument ein Warnschild mit dem niedrigsten Wert der zulässigen Höchstgeschwindigkeit der montierten M+S-Reifen angebracht werden.

Also wie bisher. Was oft behauptet wird mit der Übergangsregelung von Reifen mit DOT bis 2017 und Verwendbarkeit bis 2024 gilt nur für „alte“ Winterreifen für PKW die noch aufgebraucht werden dürfen. Die Regelung 117 gilt nicht für Motorräder, für die gibt’s die Regelung 75. Für Motorräder die nicht nach EU-Recht zugelassen sind, gilt diese Regelung eigentlich gar nicht.

Auf der GS darf man den AX 41 also auf jeden Fall fahren, allerdings mit Geschwindigkeitsaufkleber 160 im Sichtfeld des Fahrers.